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Chronik Österreich
12/28/2021

Impfbetrug im Austria Center: Mitarbeiter gekündigt und angezeigt

Schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter des Samariterbundes. Netzwerk soll Geld kassiert haben, um Leute als Geimpfte ins System einzutragen ohne sie zu impfen.

von Sophie Seeböck

Erst im Juni dieses Jahres machte die Impfstraße im Wiener Austria Center  Schlagzeilen, da einige Mitarbeiter bereits abgestempelte, nicht personalisierte Impfnachweise entwendeten. Nun kam ein weiterer Impfbetrug ans Licht, der sich aber direkt im umfunktionierten Konferenzzentrum abgespielt haben soll.

Eine Mitarbeiterin des Arbeiter-Samariter-Bundes erhob im Gespräch mit der Tageszeitung Heute nun schwere Vorwürfe gegen einige "schwarze Schafe" unter ihren Kollegen. "Zuerst wurde von den Leuten Geld kassiert, um sie anschließend ohne verabreichte Impfung als Immunisierte ins System einzutragen", berichtete die Informantin. Die Existenz des Netzwerks sei über Mundpropaganda ventiliert worden. Welche Summen für die Fake-Impfungen verlangt wurden, sei unklar.

"Wer sich seinen Impfpass fälschen lassen wollte, der musste genau wissen, mit wem er reden und in welche Kabine er gehen muss", berichtet die Insiderin. Danach wurden die Klienten von Station zu Station geschleust, gingen dann in die "richtige" Impfkabine, ließen sich dort ihren Impfpass stempeln, bekamen jedoch keine Dosis verabreicht. "Einer der Betrüger soll seine ganze Familie als geimpft eingetragen haben", erzählt die Informantin.

Mitarbeiter gekündigt und angezeigt

Ans Licht gekommen sei der Impfbetrug aufgrund aufmerksamer Kollegen im Austria Center, die die Unstimmigkeiten meldeten. Die Mitarbeiterin sprach von einer ganzen "Personen-Kette", die an mehreren Stationen der Impfstraße in die illegalen Machenschaften verwickelt war. Wie viele genau, konnte auch die Sprecherin des Arbeiter-Samariter-Bundes Stefanie Kurzweil am Dienstagabend auf KURIER-Anfrage nicht mitteilen.

Die Informationen der Mitarbeiterin wurden aber bestätigt: "Ja, es stimmt, dass hier Impfbetrug begangen wurde. Wir sind darauf sensibilisiert und leiteten sofort nach Bekanntwerden die folgenden Maßnahmen ein: Kündigung und Anzeige bei der Polizei", so Kurzweil.  

Zwar würden die Ermittlungen momentan noch laufen, man habe aber die "Sicherheitsmaßnahmen drastisch verschärft und die internen Abläufe angepasst", so Kurzweil. Wie genau werde nicht bekannt gegeben, um neue Schlupflöcher zu verhindern. Generell seien die Prozesse so umverteilt, dass "nicht mehr die ganze Verantwortung bei einem Mitarbeiter liege."

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