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Chronik Österreich
05/23/2019

Ein Drittel der Schüler braucht Nachhilfe

29 Prozent der Schüler erhalten unbezahlte oder bezahlte Unterstützung beim Lernen.

Fast jedes dritte Kind braucht Nachhilfe - 29 Prozent erhalten diese auch tatsächlich. Entweder in bezahlter Form, also etwa durch Nachhilfelehrer. Oder in unbezahlter Form, also zum Beispiel von Eltern. Das zeigt das jährliche Nachhilfebarometer der Arbeiterkammer. Der Fokus hat sich dabei aber verschoben: Es geht weniger um das Ausbessern von Fünfern, sondern um das Erreichen einer guten Note, etwa um in eine Allgemeine Höhere Schule (AHS) oder weiterführende berufsbildende Schule zu kommen.

Für die Erhebung wurden von IFES knapp 3.100 Eltern mit rund 4.650 Schulkindern im März und April 2019 befragt. Vergleicht man die Daten mit jenen der ersten Erhebung aus dem Jahr 2010, wird deutlich, dass immer mehr Schüler Lernunterstützung erhalten.

Eltern als Nachhilfelehrer

Konkret bedeutet das, dass die Eltern immer stärker als Nachhilfelehrer fungieren. "Der Druck auf die Familien steigt weiter. Die Belastung, nach der Arbeit mit den Kindern zu lernen, ist enorm", erklärt Elke Larcher, die Leiterin der Bildungspolitik-Abteilung der AK Wien.

Laut der Befragung brauchen rund 330.000 Schüler Nachhilfe, das ist etwa jedes dritte Schulkind ist. Vier Prozent der Schüler erhalten meist aus finanziellen Gründen oder aufgrund mangelnden Wissens der Eltern keine Unterstützung.

Es geht um gute Noten

Die Art der Nachhilfe habe sich laut Larcher in den letzten zehn Jahren verschoben, mittlerweile gehe es nicht um das Ausbessern von Fünfern: "Zunehmend wollen sie gute Noten, um in der Bildungshierarchie aufzusteigen", betont Larcher.

Den höchsten Bedarf an Nachhilfe gibt es an den AHS-Oberstufen. 45 Prozent erhalten hier Unterstützung, gefolgt von berufsbildenen mittleren Schulen (BMS, 40 Prozent) und höheren Schulen (BHS, 37 Prozent). An den Neuen Mittelschulen (NMS) beträgt der Anteil 33 Prozent, an den AHS-Unterstufen 31 Prozent. In den Volksschulen ist der Bedarf mit 14 Prozent am geringsten - dort leisten die Eltern den überwiegenden Anteil bei der Lernunterstützung, bei den anderen Schulformen dominiert die bezahlte Nachhilfe. Die meiste Unterstützung brauchen die Schüler in Mathematik.

In Schulen die Förderunterricht anbieten und in verschränkten Ganztagsschulen, sei die Situation besser, sagt Elke Larcher. Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl fordert den Ausbau verschränkter Ganztagsschulen, die überdies beitragsfrei sein sollen. Außerdem müsse es an den Schulen einen zweckgebundenen Topf für Förderunterricht geben. Im Moment müssen Schulen diesen aus dem gleichen Topf wie unverbindliche Übungen finanzieren.

Nicht alarmierend

Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) sieht in den Ergebnissen   kein schlechtes Zeugnis für das Schulsystem: „Naja, die eine Sicht ist, dass manche Schüler offenbar zu wenig lernen. Man kann aber auch sagen, dass wir eine hohe Bereitschaft von Eltern haben, in die Bildung ihrer Kinder zu investieren, vielleicht auch mehr  als notwendig“.

Bei Nachhilfe, um Durchfallen  zu vermeiden, sieht Faßmann noch ein anderes Problem:  „Da muss man sich aber auch fragen, ob das Kind die richtige Bildungsweg-Entscheidung getroffen hat. Die Tendenz für eine höhere Schulbildung ist vorhanden, aber passt das auch für jedes Kind?  Für mich ist das ein wichtiger, ernst zu nehmender aber kein alarmierender Befund.“