Chronik | Österreich
28.02.2018

Kärnten: Tote Rinder wurden "massiv vernachlässigt"

Amtstierarzt schaltet Staatsanwaltschaft ein. Die Tiere seien massiv vernachlässigt worden.

Im Stall eines Bauernhofes in der Kärntner Gemeinde Hüttenberg (Bezirk St. Veit/Glan) sind vor einigen Tagen nach einer anonymen Anzeige drei tote Rinder aufgefunden worden. Nun hat der Amtstierarzt der Bezirkshauptmannschaft St. Veit klargestellt, dass die Causa ein Fall für die Justiz ist. "Das Ausmaß des Geschehens ist strafrechtlich relevant", sagte er gegenüber der "Kleinen Zeitung".

Die Tiere waren laut Augenzeugen extrem abgemagert, trotzdem wollte Landesveterinär Holger Remer, der die Sache am Wochenende untersucht hatte, andere Todesursachen wie Stromschlag nicht ausschließen. Laut Amtstierarzt Josef Leitner wurden die Tiere aber auf jeden Fall "massiv vernachlässigt", ob die Untersuchungen ergeben würden, dass sie tatsächlich verhungert sind, ändere nichts am Ergebnis. Er müsse Anzeige erstatten, so der Arzt.

Der Landwirt lebt nicht auf dem gepachteten Hof, er hat noch einen zweiten Betrieb, auf dem Tiere eingestellt sind. Diese sollen nun auch genauestens kontrolliert werden.

Vertuschungsversuch vermutet

Die Kärntner Grünen und der Verein gegen Tierfabriken (VgT) haben am Mittwoch in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz schwere Vorwürfe gegen Landesrat Christian Benger ( ÖVP) und den Landesveterinärdirektor Holger Remer erhoben. Die Tierschützer sehen mangelnde Kontrollen, schiefe Optik und Verdacht auf Vertuschung.

Landesveterinär Remer hatte am aktuellen Fall "nichts Abartiges" gesehen und gegenüber der "Kleinen Zeitung" (Dienstag-Ausgabe) gemeint, es sei ganz normal, dass bis zu zehn Prozent der Tiere verenden. Dem widerspricht Tierarzt Alexander Rabitsch. Er geht davon aus, dass die Kühe verhungert sind - bis etwas anderes bewiesen sei.

Mangelhafter Tierschutz?

"Der Tierschutz funktioniert in Kärnten nicht so, wie er sollte", sagte Landesrat Rolf Holub (Grüne). Die Frequenz der Kontrollen sei zu gering. Pro Jahr würden nur zwei Prozent der Betriebe kontrolliert, ein Betrieb komme daher statistisch gesehen alle 50 Jahre an die Reihe. In den vergangenen Jahren waren immer wieder Fälle von Tierschutz-Verstößen in Kärnten aufgetaucht, David Richter vom VgT nannte etwa den Fall eines Unterkärntner Schweinezüchters, dessen Tiere im eigenen Morast lebten und sich gegenseitig auffraßen, und den Klagenfurter Schlachthausskandal 2015. Michael Johann, Landtagsabgeordneter der Grünen, vermutet "System hinter all diesen Einzelfällen".

Grüne wie VgT fordern Remers Ablöse sowie eine personelle Aufstockung bei den Amtstierärzten, damit mehr kontrolliert werden könne. Richter meinte, er verstehe nicht, warum der hochrangige Beamte selbst zu dem betroffenen Bauernhof gefahren sei, obwohl er auch einfach den Amtstierarzts hätte einschalten können - eine "schiefe Optik". "Dieser Fall hätte nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollen", so die Schlussfolgerung des Tierschutzaktivisten. Als Konsequenz wurde gefordert, dass Tierkontrolle und -schutz vom Agrarreferat abgetrennt werden sollten.

Im Büro des zuständigen Agrarlandesrates Christian Benger (ÖVP) weist man sämtliche Vorwürfe zurück und stellt sich hinter den Landesveterinär. Dieser habe alle nötigen Maßnahmen in die Wege geleitet.