Chronik | Österreich
25.04.2018

Steirischer Arzt: "Ich hab’ gewusst, er wird sich rächen"

Rechtskrimi um steirischen Arzt: Nachbarin angeklagt, weil sie falsch ausgesagt haben soll - zu seinen Gunsten.

So ein „großes , schwarzes Ding“ hätte ihr der Arzt gezeigt. „Er hat’s aus dem Sakko rausgezerrt“, beteuert die Angeklagte, eine Jägerin. „Er muss sich schützen vor seiner Ex-Frau, hat er gesagt.“ Um eine Faustfeuerwaffe geht es. Der Ehemann der Angeklagten starb durch einen Schuss aus dieser Waffe. Die Justiz ging von Suizid aus, lässt dies aber gerade neu prüfen. Diese Waffe gehörte ursprünglich dem steirischen Mediziner.

Aber darum geht es in dem Prozess am Mittwoch eigentlich gar nicht. Auch nicht um das andere Verfahren: In dem wurde dem Arzt vorgeworfen, seine vier Kinder seelisch gequält zu haben. Er wurde in erster Instanz freigesprochen – der KURIER berichtete.

Die Angeklagte war seine Nachbarin und Patientin. Zwei Mal, im Dezember 2014 und im Februar 2015, sagte sie offiziell aus, dass ihr der Herr Doktor keine Waffe gezeigt hätte. Bis Oktober 2016. Da war auf einmal alles anders: „Die erste Aussage war falsch. Der Mensch hat mir so viel Angst gemacht.“

Staatsanwalt Christian Kroschl klagt falsche Zeugenaussage sowie Begünstigung an und verweist auf ein Datum: „Das ist auffällig. Eine Woche zuvor hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren wegen Vergewaltigung eingestellt.“ Auch das gehört gar nicht hierher, ist aber ein Puzzleteil dieses komplexen Rechtskrimis: Die Tochter der Angeklagten hatte eine Affäre mit dem Arzt, warf ihm aber Vergewaltigung vor.

Ein Fehler

Ihre Mutter stand zunächst auf der Seite des Mediziners, wundert sich der Ankläger. „Sie haben ihn im guten Licht dargestellt und die Tochter schlecht aussehen lassen.“ Die Steirerin bedauert den „Fehler“: „Ich wollte ihn nicht provozieren. Ich hab’ gewusst, er wird sich rächen.“ Ankläger und Richter Andreas Lenz wiederholen stetig eine Frage: Warum die späte Erkenntnis, jene Aussage zu korrigieren, die den Arzt schützte? „Ich hab’ das Gefühl gehabt, man muss was gegen den Mensch unternehmen“, begründet die Angeklagte. „Ich hab’ ja panische Angst vor ihm gehabt.“ Warum sei sie dann kurz vor der geänderten Aussage mit dem Arzt essen gegangen? „Ich wollte wissen, wie er tickt“, betont die Steirerin. Nachvollziehbar sei das nicht, kontert Lenz. „Wenn ich vor jemandem Todesangst habe, gehe ich nicht hin. Sonst kann ich mir ja gleich selbst ins Knie schießen.“

Vertagt, der Richter will noch die Polizisten hören.