© KURIER/Franz Gruber

Nachmittagsbetreuung
09/11/2014

"Hortpflicht" – alle schießen sich auf SPÖ ein

Kärnten: Grüne und ÖVP kritisieren Landeshauptmann Kaiser.

von Thomas Martinz

Für großen Unmut hat die "Hortpflicht" bis 16 Uhr (Eltern dürfen ihre Kinder erst ab diesem Zeitpunkt abholen, wenn sie sich in der schulischen Nachmittagsbetreuung befinden) in Kärnten gesorgt. Nun fordern alle Parteien von SP-Landeshauptmann Peter Kaiser eine flexiblere Regelung – auch die Koalitionspartner.

Wie berichtet, hat der Bund bei der finanziellen Förderung der Nachmittagsbetreuung großzügigere Auflagen als das Land Kärnten. Während auf der einen Seite der 8000-Euro-Zuschuss pro Jahr und Gruppe bereits gewährt wird, wenn die zehnköpfige Lerneinheit an drei Tagen pro Woche komplett ist, verlangt das Land die Anwesenheit an fünf Tagen, um die Verdoppelung dieser Förderung zu garantieren. Das hat zur Folge, dass die Betreuungseinrichtungen die "16-Uhr-Regel" streng einhalten, um die Finanzspritzen zu gewährleisten. Mit dieser Auflage hat sich Kindergartenreferent Kaiser nicht nur den Unmut vieler Eltern, sondern auch die Kritik aller Parteien zugezogen.

"Man muss auf die Bedürfnisse von berufstätigen Eltern eingehen und sollte nicht bürokratische Hürden aufbauen", sagt Grünen-Landessprecher Frank Frey. Auch die Volkspartei geht auf Konfrontationskurs mit dem Koalitionspartner. "Vor allem im ländlichen Raum stellt die Anwesenheitspflicht von zehn Kindern ein unerfüllbares Diktat dar", betont VP-Clubobmann Ferdinand Hueter. Für FPÖ-Obmann Christian Ragger "kommt die Regelung einer Entmündigung der Eltern gleich. Offenbar will man ein DDR-Erziehungsmodell durchziehen." Laut Gerhard Köfer vom Team Stronach widersprechen die Auflagen des Landes "jeder Lebensrealität. Das ist keine Serviceleistung, sondern eine zusätzliche, überflüssige Schikane."

Gesprächsbereit

Man nehme die Beschwerden ernst und werde Gespräche mit der Schulabteilung dem Hort-Anbieter BÜM ("Betreuen, Üben, Miteinander") und Gemeinden führen, sagt Kaisers Sprecher Andreas Schäfermeier am Donnerstag zum KURIER. "Ich verweise darauf, dass es kein vom Land verordnetes Abholverbot gibt. Die Betreuungseinrichtungen können nach Absprache mit den Eltern entscheiden, wann welches Kind abgeholt wird."

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.