Chronik | Österreich
30.11.2018

Holzpreis bedroht Existenzen der Waldbauern

Windwurf zwingt Bauern zu Verkauf, doch Industrie zahlt um 25 Prozent weniger

„Das Holz ist das Sparschwein der Waldbauern. Gewöhnlich schlägern sie, wenn sie neue Investitionen tätigen wollen. Aber nach dem Sturm Ende Oktober müssen sie ihr Schadholz gezwungenermaßen rasch und zu Dumpingpreisen verkaufen. Jetzt stehen Existenzen auf dem Spiel.“

Franz Zlöbl, der Bürgermeister von Rangersdorf (Bezirk Spittal) in Oberkärnten, ist selbst Waldbauer. Er sei von Unwetterschäden nicht so stark betroffen wie viele Kollegen, die er „die letzten Idealisten“ nennt. Lange werde es Vollerwerbs-Waldbauern in Kärnten angesichts der Unwetterschäden und deren Folgen nicht mehr geben, befürchtet Zlöbl, gehe doch die Wertschöpfung „bald gegen Null“.

Höhere Kosten

Rund eine Million Festmeter Schadholz liegen derzeit im Gailtal, Lesachtal, Drautal, Mölltal und Lavanttal auf dem Boden. „Schon das Aufräumen kostet den Waldbauer aktuell mehr als das herkömmliche Schlägern, weil viel Bruchholz vorhanden ist und er mehr Helfer beschäftigen muss. Ob das der Katastrophenfonds des Landes ausgleicht, wage ich schon zu bezweifeln“, erwähnt Zlöbl.

Und dann müssen die Bauern schnell verkaufen, bevor Borkenkäfer und Pilzbefall das Material entwerten. Das drückt derzeit den Marktpreis nach untern. Hinzu kommt der Umstand, dass das Sturmtief namens „Vaia“ auch im benachbarten Italien für 16 Millionen Festmeter Windwurf sorgte. Holz ist in und rund um Kärnten also in Hülle und Fülle vorrätig.

Sprunghaft gesunken

„Aus Rückmeldungen zahlreicher Kärntner Waldbauern lässt sich eindeutig ableiten, dass die derzeit für Rundholz bezahlten Preise um 25 Prozent unter denen von Anfang Oktober liegen. Im Schnitt ist von einem Preisniveau von etwa 72, 73 Euro je Festmeter auszugehen“, zeigt sich Johann Mössler, Präsident der Landwirtschaftskammer Kärnten, empört. „Das entspricht auch unseren Beobachtungen. In Unterkärnten lag der Festmeterpreis vor Kurzem noch deutlich über 90 Euro“, betont der Völkermarkter Bezirksforstinspektor Franz Pickl. Das Problem sei, dass die Landwirte das wenige Geld, das sie jetzt erhalten würden, sparen müssten, weil der Wald in den nächsten Jahrzehnten weniger hergeben würde. „In fünf, zehn Jahren sind also Existenzen bedroht“, erklärt auch Pikl.

Herbert Kogoj aus Bad Eisenkappel glaubt jedenfalls, dass er in der Region einer der letzten Vollerwerbs-Waldbauern sein werde. „Es dauert eine Generation, bis der Wald nachwächst und mein Sohn damit wieder Einnahmen lukrieren kann. Und jetzt muss ich um 70 Euro pro Festmeter verkaufen, obwohl ich nicht will“, sagt er.

Indes verteidigt Christoph Kulterer, Chef des international agierenden Kärntner Sägewerks Hasslacher, das aktuelle Preisniveau.

Sägen fahren Extraschichten

„Es gab auch Zeiten, in denen ganz wenig Holz vorrätig war: Da mussten wir Holz teuer zukaufen. Der Markt bestimmt letztendlich den Preis, uns wäre eine stabile Situation auch lieber. Das Pendel wird auch wieder in die andere Richtung umschlagen“, sagt Kulterer.

Einen Windwurf in diesem Ausmaß hätte es zuletzt im Jahr 2007 gegeben. Aktuell würden die Mengen an Schadholz den Bedarf sogar um ein Vielfaches übersteigen, man müsse in den Sägewerken Zusatzschichten fahren, so Kulterer.