Chronik | Österreich
29.10.2018

Hochwasser: Ortsteil von Lavamünd evakuiert

Flutwelle am Abend erwartet. Hauseingänge und Kellerfenster im Zentrum verbarrikadiert. Überflutungen in Möllbrücke.

In der Kärntner Gemeinde Lavamünd haben sich die Menschen auf das drohende Hochwasser vorbereitet. Am Nachmittag wurde der Ortsteil Drauspitz evakuiert, knapp 70 Menschen mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Die Flutwelle wurde für den späteren Abend erwartet. Auch aus Möllbrücke (Bezirk Spittal/Drau) und Kötschach Mauthen (Bezirk Hermagor) wurden Überflutungen gemeldet.

Die Hauptstraße von Lavamünd bietet am Montagnachmittag ein ungewohntes Bild. Gasthäuser, Supermarkt, Trafik, Post und die anderen Geschäfte sind geschlossen, die Hauseingänge und Kellerfenster mit Schaltafeln und Sandsäcken verbarrikadiert. Feuerwehrleute eilen hin und her, um noch Hand anzulegen, in der Kurzparkzone lagern Reserve-Sandsäcke. Eine Kfz-Werkstatt, die 2012 beim großen Hochwasser meterhoch überflutet gewesen war, ist rundherum verplankt.

Im einzigen noch geöffneten Kaffeehaus im Ortszentrum wird heftig diskutiert. "Ein Nachbar hat mir alle wertvollen Sachen aus dem Keller in die Wohnung hinaufgetragen", meint ein Lavamünder, der die meiste Zeit im Ausland lebt. Er wohnt am Drauspitz, jener Ortsteil, der stets als erstes geflutet wird, wenn die Drau übergeht. Er sei erst in der Nacht heimgekommen und habe nicht einmal mit seinem Auto zu seinem Wohnhaus fahren dürfen. Zuerst habe er gar nicht gewusst, was los sei, aber das hätte sich schnell geändert. "Ich bin gespannt, wie viel Wasser diesmal kommt", sinniert eine ältere Frau, während sie in ihrer Kaffeetasse rührt. "Vielleicht übertreiben sie ja", hofft ihr Begleiter. Als die Sirene den Zivilschutzalarm anzeigt, werden sie aber doch nervös.

Und dazu dürften sie allen Grund haben. Am Nachmittag bei der x-ten Sitzung des Krisenstabs werden die Prognosen erneut geändert. Nun hat sich die Situation wieder verschärft. Ab 21.00 Uhr, so glauben die Experten, wird die Drau über die Ufer treten, die Wassermengen werden auf rund 1.600 Kubikmeter pro Sekunde geschätzt. Ab Mitternacht werden sekündlich 1.900 Kubikmeter erwartet, gegen 3.00 Uhr früh dürfte die Spitze der Flut erreicht werden. Dann rauschen in jeder Sekunde 2.100 Kubikmeter Wasser den Fluss hinab.

Sämtliche Staubecken von Rosegg bis Lavamünd wurden am Wochenende geleert, es gibt derzeit auch keinen Aufstau. "Das Wasser fließt ungehindert durch", sagt Robert Zechner von der Verbundgesellschaft gegenüber der APA. Am Abend soll entschieden werden, wie viel Wasser vor allem im Völkermarkter Stausee abgefangen werden soll, um für Lavamünd das Ärgste zu verhindern.