Chronik | Österreich
15.02.2013

Hochgelobte Agentur überraschend geschlossen

Experten waren von der Verkehrssicherheitsagentur begeistert. Trotzdem wurde sie aufgelöst.

„Das ist das europaweit beste Programm auf dem Markt“, sagt der renommierte Unfallforscher und Universitätsprofessor Ernst Pfleger. Auch Vertreter von mehreren Bundesländern waren begeistert, als die neue Software kürzlich bei einem Vortrag präsentiert wurde. Per Knopfdruck und in Echtzeit (statt bisher mit monatelanger Verzögerung) können nun die Unfallstellen in ganz Österreich ausgewertet werden. Wo es häufig kracht, ist auf einer elektronischen Landkarte, etwa bei Google-Maps, metergenau zu sehen. Die Polizei könnte jeden Tag in der Früh schauen, wo Laserkontrollen am sinnvollsten sind. Oder die Asfinag überprüfen, wo es zuletzt Unfälle wegen Glätte gab und dort mehr streuen. Die Fachwelt ist begeistert, die Möglichkeiten für die Anwendung scheinen unbegrenzt zu sein. „So ein Programm aus einer Beamtenwerkstatt, das ist eigentlich unglaublich“, sagt ein Experte.

Nur wenige Tage nach der Präsentation wurde diese sagenhafte „Beamtenwerkstatt“ nun überraschend geschlossen. Die beiden Chefs der Verkehrssicherheitsagentur VERSA wurden ins Ministerium gebeten, wo man ihnen die schlechte Nachricht mitteilte. Seither herrscht Rätselraten über die Gründe.

Insider behaupten gegenüber dem KURIER, der Grund für die Einstellung sei, dass die Erstellung so eines Computerprogramms dem Kuratorium für Verkehrssicherheit versprochen wurde, das zuletzt oft mit Aufträgen aus dem Ministerium bedacht wurde. Vor allem aus dem umstrittenen Verkehrssicherheitsfonds, der mit Einnahmen aus den Wunschkennzeichen gefüttert wird, gab es in den vergangenen Jahren Hunderttausende Euro für Projekte des KfV – das schuf auch Neider. Der Chef des KfV, Othmar Thann, war jedenfalls Sektionsleiter-Stellvertreter im Verkehrsministerium, als dieses in den 90er-Jahren SPÖ-dominiert war. Im KfV heißt es aber dazu entschieden: „Wir wissen nichts davon, dass wir ein Programm zum Erkennen von Unfallhäufungspunkten erstellen sollen.“ Diese Vorwürfe würden jeder Grundlage entbehren.

Ministerium: „Budget ist knapp“

„Wegen Budget- und Personalknappheit wird die VERSA ins Ministerium eingegliedert und mit der Beobachtungsstelle Verkehr zusammengelegt“, erklärt Ursula Zechner, zuständige Sektionschefin im Ministerium, die Motive für die VERSA-Auflösung. „Momentan läuft eine Analyse, ob wir die Unfallauswertung überhaupt weiterbetreiben sollen. Statistik fällt eigentlich in den Aufgabenbereich des Innenministeriums.“

Im letzten Jahresbericht der VERSA, die vor allem die Bundesanstalt für Verkehr umfasst, war Ressortchefin Doris Bures jedenfalls noch begeistert: „Die jüngsten Unfallstatistiken beweisen: Die Mitarbeiter der Bundesanstalt für Verkehr leisten hervorragende Arbeit. Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, dass die Verkehrsunfallstatistik des Jahres 2011 die historisch geringste Anzahl an Verletzten und Verkehrstoten aufweist.“