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Chronik Österreich
03/19/2020

Schwierige Heimkehr aus dem Urlaub: "Quarantäne ist selbstverständlich"

Ein Wiener Ehepaar hat es aus Hurghada zurück nach Wien geschafft. Andere warten noch und ihre Nerven liegen blank.

von Susanne Bobek, Johanna Hager

Für Rückkehrer aus dem Ausland nach Österreich gilt seit Mitternacht eine 14-tägige Selbstquarantäne. „Das machen wir auch, das ist doch selbstverständlich und wichtig“, schrieb Georg T., der in der Nacht auf Donnerstag einen Rückflug von Hurghada nach München ergattern konnte. Dank eines geschickten Reiseleiters. Von München kamen sie mit dem Zug zurück nach Wien.

Im Außenministerium organisieren die Beamten rund um die Uhr: Bis Dienstag wurden 1.300 Urlauber geholt. Am Donnerstag kamen Flieger aus Hurghada und Gran Canaria. Am Freitag kommen Touristen aus Mauritius, Tunis, Teneriffa, London und den Malediven.

Den in Ägypten gestrandeten Urlaubern sitzt der Schock nach tagelangem Zittern noch in den Gliedern.

Von einem Tag auf den anderen war Reisen zu einem völlig irren und manchmal auch sehr teuren Abenteuer geworden.

Das Ehepaar T. hatte eine Lidl-Reise gebucht, mit Nilkreuzfahrt und danach Badeurlaub in Hurghada. „Alles wunderbar, eigentlich.“

Rückblickend wissen die Heimkehrer, dass ihr Ärger über überlastete Leitungen bei Botschaften und bei den Hotlines überzogen war. Doch vor Ort herrscht das blanke Entsetzen. Die Nerven liegen blank.

Wund telefonieren

Für die Hurghada-Urlauber telefonierte sich die Tochter wund, für die drei Kärntner Freundinnen, die in Vietnam gestrandet waren, deren Familien. Für vermutlich 47.000 Österreicher, die in über 100 Ländern auf der ganzen Welt gestrandet sind, kann es keine Ad-hoc-Rückholaktionen geben.

Die Kärntnerinnen ergatterten am Donnerstag einen Flug von Saigon nach Dubai. Von dort wollen sie sich dann weiter durchschlagen. Mit Glück sollten sie sogar in einer AUA-Maschine Platz kriegen. Die große Angst von allen war: Dass noch in letzter Minute ein Flug ausfällt.

Für Pauschalreisende, die mit großen Veranstaltern wie TUI unterwegs waren, ist die Rückreise gesichert. Da wird niemand zurückgelassen. Schwieriger wird es für Individualreisende: In Panama sind mehrere Europäer gestrandet, die in ein Hotel zusammengepfercht wurden, wo sie ihre Zimmer nur zu den Mahlzeiten verlassen dürfen. Diese Gruppe aus meist sehr jungen Globetrottern will sich nun selbstständig über Kuba auf den langen Heimweg machen wollen. Ein junger Surfer hat beschlossen, an seinem Traumstrand in Mexiko zu bleiben – bis sich die Lage entspannt.

Für Passagiere, die mit Billigfliegern wie Ryanair in die weite Welt entschwebt sind, wird die Rückkehr oft schwierig und teuer.

Hilferuf aus Marsa Alam

In Marsa Alam sitzt eine sechsköpfige Reisegruppe fest. Sie hat sich schon registriert. Ihr AUA-Rückflug OS2336 wäre erst am 21. März gewesen. In Ägypten hapert es derzeit mit den Internet-Verbindungen, telefonieren geht kaum. Und in vielen Hotels herrscht Notbetrieb. Köche fahren heim.

Da heißt es Ruhe bewahren: „Unser Land und unsere Gesellschaft befinden sich in einer Ausnahmesituation. Das persönliche Engagement jeder und jedes Einzelnen ist derzeit gefragt,“ so Außenminister Alexander Schallenberg in einem Aufruf an seine Mitarbeiter, die unermüdlich daran arbeiten, möglichst alle heimzuholen. Doch Geduld wird man brauchen.

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