© Johannes Weichhart

Chronik Österreich
11/27/2019

Hauptstadtplaner im Clinch mit St. Pöltner Stadtführung

Norbert Steiner droht mit Rückgabe des Jakob-Prandtauer-Preises, weil in St. Pölten weiterhin ein Baubeirat fehlt.

von Johannes Weichhart

Es war ein großer Festakt mit vielen Ehrengästen, der im Vorjahr im St. Pöltner Rathaus über die Bühne ging. Im Mittelpunkt der Feier: Hauptstadtplaner und Alpenland-Obmann Norbert Steiner, der von SPÖ-Bürgermeister Matthias Stadler den Jakob Prandtauer-Preis verliehen bekam. Die Auszeichnung galt dem Lebenswerk Steiners, der unter anderem das Regierungsviertel in der Landeshauptstadt verwirklichte.

Doch nun herrscht Eiszeit zwischen Steiner und dem Rathaus. „Ich bin fassungslos und überlege, den Preis wieder zurückzugeben“, sagt der Alpenland-Obmann im Gespräch mit dem KURIER. Es wäre ein einmaliger Vorgang in der langen Geschichte der Auszeichnung.

Die Gründe für den Disput sind nicht nur politische, sie betreffen auch eine Herzensangelegenheit des Architekturdoyens: das Bild der Stadt.

Seit Monaten setzt sich der 77-Jährige intensiv für die Installierung eines Beirates für Baukultur und Stadtgestaltung ein. Das Gremium soll sich um die Erhöhung der Qualität der Architektur und der Stadtentwicklung kümmern, speziell im Zusammenhang mit der Errichtung von großvolumigen Wohnbauten und Projekten.

Denn der Bauboom in St. Pölten sorgt in der Region nicht nur für zufriedene Gesichter. Als etwa das „alte Pressehaus“ in der Linzer Straße der Abrissbirne zum Opfer fiel, gab es auch Kritik. Einige Bürger wollten nicht, dass das Gebäude mit der markanten Fassade (Sgraffito von Sepp Zöchling aus dem Jahr 1951, Anm.) plötzlich einem Neubau weichen musste. Zwar gab es rechtlich gegen den Abriss nichts einzuwenden, weil das Haus nicht unter Denkmalschutz stand, dennoch war das Projekt manchen nicht geheuer.

Stadtchef Matthias Stadler reagierte auf die Stimmen aus dem Volk und schaffte eine Schutzzone für historisch wertvolle Baustrukturen – allerdings ohne Beirat.

Kulturhauptstadt

Dabei hatte dieses Vorhaben bereits bei der Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2024 eine große Rolle gespielt. „Man schreibt es in die Bewerbung rein, setzt es aber nicht um“, ärgert sich Steiner. Am vergangenen Montag wollte die ÖVP im Gemeinderat Fakten schaffen und brachte einen Dringlichkeitsantrag ein. Die Schwarzen fanden aber nicht die notwendige Unterstützung, weil die SPÖ, die die absolute Mehrheit inne hat, nicht zustimmte. „Es gab zu dieser wichtigen Causa nicht einmal eine Wortmeldung, dabei hätten wir den Beirat längst auf Schiene bringen sollen“, sagt ÖVP-Vizebürgermeister Matthias Adl.

Tatsächlich wird schon seit vielen Monaten über dieses Thema diskutiert. Bereits im vergangenen Herbst, so hieß es, hätte der Startschuss fallen sollen. Jetzt wurde die Installierung des Gremiums einmal mehr verschoben.

Experten gesucht

Seitens der SPÖ betont man, dass ein Gestaltungsbeirat weiterhin geplant sei. „Es müssen aber noch die Personen ausgewählt werden, die diesem künftig angehören“, betont SPÖ-Bezirksgeschäftsführer Harald Ludwig.

Ein Beirat, der neue Bauprojekte unter die Lupe nimmt, wäre übrigens längst kein Novum in Österreich. Rund 60 Städte verfügen über einen; auch in Amstetten, Wiener Neustadt, Salzburg oder Linz reden Experten mit. Nur in der zukünftigen Landeskulturhauptstadt 2024 heißt es weiterhin noch „bitte warten“.

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