Chronik | Österreich
09.08.2018

Kärnten: Jörg Haiders Saualm bleibt ein Ladenhüter

Seit 2014 versuchen Makler vergeblich, das ehemalige Flüchtlingsheim zu verkaufen.

„Ehemaliges Kloster der unbeschuhten Karmeliter hoch über dem Lavanttal zu verkaufen. Das Objekt liegt auf einer Seehöhe von 1200 m auf einem sonnigen Plateau mit einem wunderbaren Ausblick nach Südwesten auf die Karawanken und Steiner Alpen. Es bietet 21 Zimmer auf zwei Etagen. Gewerbliche und private Nutzung möglich. Kaufpreis: 2.100.000 Euro.“

So lautet die aktuelle Annonce der „Al Hamed Realstate Contact Holding GmbH“ mit Sitz in Wien. Dass es sich bei dem Objekt um das ehemalige und vom Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider initiierte Flüchtlingsheim Saualm – Sonderanstalt für mutmaßlich straffällig gewordene Asylwerber“ in der Marktgemeinde Griffen (Bezirk Völkermarkt) handelt, bleibt unerwähnt. Denn die Unterkunft steht seit vier Jahren zum Verkauf, entpuppt sich aber als Ladenhüter.

„Es stimmt, die Saualm befindet sich nach wie vor in meinem Eigentum und ich suche einen Käufer.“ Das lässt die einstige Betreiberin und aktuelle Eigentümerin, Herta Lechner, über eine Bekannte telefonisch ausrichten. Sie selbst urlaube derzeit nämlich in Brasilien. Lechner bietet die Immobilie seit 2014 an. Wie viel sie damals dafür verlangte, will die medienscheue Unternehmerin nicht sagen, den Unterkärntner Nachrichten zufolge sollen es jedoch einst 1,9 Millionen Euro gewesen sein. Zahlreiche Immobilienbüros scheiterten jedenfalls seitdem beim Versuch, die „Saualm“ zu veräußern.

Als „Kloster“ tituliert

„Wir bieten das Objekt um 2,1 Millionen an“, teilt die neue Agentin von der Realstate Holding mit. Das Haus sei 2011 und 2012 renoviert worden und könnte laut einem aktuellen statischen Gutachten um zwei Etagen aufgestockt werden, heißt es in der Annonce. Warum stets vom „Kloster der unbeschuhten Karmeliter“ die Rede ist und der Kärntner Ausdruck „Saualm“ oder „Saualpe“ (so heißt der Mittelgebirgszug in den Lavanttaler Alpen tatsächlich) im Exposee fehlt, will die Immobilien-Vermittlerin nicht ausführen.

Offenbar reichen möglichen Kaufinteressenten aber die zahlreichen im Offert verwendeten Bilder vom Haupthaus, um eine Verbindung zur einst über die Landesgrenzen hinaus berüchtigten „Saualm Haiders herzustellen. Die Wohnbedingungen sowie die angeblich schlechte Versorgung der Flüchtlinge mit Nahrung und Medikamenten sorgten stets für Diskussionen. Schließlich hagelte es auch Anzeigen, wonach feuerpolizeiliche, gewerberechtliche, bauliche und wasserrechtliche Auflagen nicht eingehalten worden seien. Im Jahr 2012 wurde das Heim behördlich geschlossen.

Miet-Variante denkbar

Inzwischen seien alle Problemfelder bereinigt, der Preis vergleichsweise günstig, unterstreicht die Maklerin, die für das Objekt seit dem Frühjahr die Werbetrommel rührt. „Gut Ding braucht Weile, die Zielgruppe für so ein großes Gebäude ist klein“, meint sie. Weil sich aber „immer wieder“ Interessenten melden würden, kläre man mit der Besitzerin ab, ob auch eine Mietvariante angeboten werden könne.