Treffen in Reichenau: Visitator Erzbischof Lackner, Kardinal Schönborn und Bischof Schwarz

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Chronik | Österreich
03/18/2019

Gurker Visitation überschattet Frühjahrstreffen der Bischöfe

Der Endbericht der Päpstlichen Visitation ist bereits in Rom. Die Debatte in Österreich ist damit aber nicht beendet.

Der Endbericht der Visitation ist bereits in Rom. Die Debatte in Österreich ist damit nicht beendet. Wenn sich Österreichs Bischöfe heute im Schloss Reichenau in Niederösterreich zu ihrer Vollversammlung treffen, dann ist eines klar: Die Päpstliche Visitation in der Diözese Klagenfurt-Gurk wird eines der zentralen Gesprächsthemen sein – auch wenn das Thema auf der Tagesordnung nicht aufscheint.

Die Bischofskonferenz kann die Vorkommnisse in Kärnten nicht mehr als bloßen Konflikt zwischen dem St. Pöltner Bischof Alois Schwarz und seinen Nachfolgern in Klagenfurt rund um Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger abtun. Nicht seit vergangenem Freitag, als das Visitationsteam mit Erzbischof Franz Lackner an der Spitze zu seiner Arbeit Stellung genommen hat.

Da wurde im Hinblick auf die Prüfung der wirtschaftlichen Gebarung unter Bischof Alois Schwarz deutlich gemacht: Das Bistum Gurk sei wirtschaftlich nicht in Gefahr, Kirchenbeiträge seien nicht missbräuchlich verwendet worden. Dennoch müsse der Umgang mit dem bischöflichen Besitz (Mensalgut), über den der Bischof allein entscheiden kann und der nicht der diözesanen Vermögensverwaltung unterliegt, neu geregelt werden – und zwar über die Grenzen von Kärnten hinaus, so der Münchner Kirchenhistoriker Helmuth Pree. Das größte Mensalgut hat übrigens der Erzbischof von Wien, Christoph Schönborn.

Brisantes Treffen

Bei der Versammlung der Bischöfe werden Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger und Bischof Alois Schwarz erstmals seit der Visitation an einem Tisch Platz nehmen. Ob es da zu einem klärenden Gespräch kommt, ist eher nicht anzunehmen. Dabei hatte Guggenberger den Bischof bei dessen Abschied in Kärnten noch in allerhöchsten Tönen gelobt. Wenige Tage danach war dann plötzlich alles anders.

Nicht ganz konfliktfrei ist auch das Verhältnis zwischen Engelbert Guggenberger und Visitator Erzbischof Franz Lackner. Höhepunkt dieser Reibereien war, dass Guggenberger und das Domkapitel einem Gebet für die Diözese Gurk, zu dem Lackner eingeladen hatte, aus Protest ferngeblieben sind. Lackner dazu bei der Visitations-Pressekonferenz: "Für mich ist es eine ernsthafte Frage an das Verständnis von Kirche, wenn diese spirituelle Komponente einer Visitation nicht gewürdigt wird. Eine kritische Prüfung der Fakten darf nicht gegen das spirituelle Moment einer Visitation ausgespielt werden.“