Forderung an Asfinag: Keine neuen Schnellstraßen
Zusammenfassung
- Greenpeace, Verkehrswissenschafter Harald Frey und Umweltökonomin Sigrid Stagl fordern ein Ende des Schnellstraßenausbaus und stattdessen eine Fokussierung auf Sanierung und Öffi-Ausbau.
- Die derzeitige Finanzierung des Straßenbaus wird als kontraproduktiv kritisiert; Einnahmen aus dem Straßennetz sollen für klimafreundliche Mobilitätsangebote genutzt werden.
- Externe Kosten des Straßenausbaus wie Klimaschäden und Gesundheitsbelastungen werden betont, öffentliche Mittel sollen in nachhaltige und sozial gerechte Mobilität fließen.
Greenpeace Österreich hat am Dienstag in einer Aussendung gemeinsam mit Verkehrswissenschaftler und Ex-ASFINAG-Aufsichtsrat Harald Frey und Umweltökonomin Sigrid Stagl ein Ende des Schnellstraßenausbaus in Österreich gefordert. Die dafür zuständige Asfinag solle sich auf die Sanierung beschränken und mit den Gewinnen stattdessen den Öffi-Ausbau querfinanzieren, forderten sie von Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ).
Die Asfinag plant, zwei Milliarden Euro für den Neubau von Schnellstraßen bis 2030 auszugeben - ein großer Teil davon fließt in den ersten Abschnitt der Lobau-Autobahn, so die NGO. Deren Sprecher Marc Dengler argumentierte, dass mehr Straßen zu immer mehr Verkehr führen würden. "Angesichts explodierender Spritpreise sehen wir gerade jetzt die fatalen Folgen einer kurzsichtigen Politik, die lieber Straßen baut als den öffentlichen Verkehr zu fördern", lautete seine Kritik.
Kontraproduktive Sektorfinanzierung
"Wir brauchen eine zielgerichtete Systemfinanzierung im Verkehr, anstelle der derzeitigen kontraproduktiven Sektorfinanzierung. Einnahmen aus dem hochrangigen Straßennetz sollten schrittweise auch für andere, krisensichere, leistbare und klimafreundliche Mobilitätsangebote als Finanzierungsquelle zur Verfügung stehen. Die gewünschte Verlagerung von der Straße auf die Schiene muss sich auch in den zukünftigen Finanzierungsstrukturen abbilden", hieß es von Harald Frey, Verkehrswissenschaftler an der TU Wien und ehemaliger Asfinag-Aufsichtsrat.
Sigrid Stagl, Professorin für Umweltökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien, verwies auf enorme externe Kosten des Straßenausbaus - von Klimaschäden über Gesundheitsbelastungen bis hin zu steigender Importabhängigkeit von fossilen Energieträgern. "Diese Kosten werden nicht von den Verursachern getragen, sondern von der Gesellschaft insgesamt."
"Gerade in Zeiten eines angespannten Staatshaushalts und drohender Strafzahlungen wegen verfehlter Klimaziele ist es ökonomisch wie politisch unverantwortlich, weiterhin Milliarden in neue Autobahnen und Schnellstraßen zu investieren", wurde Stagl zitiert.
Aus ihrer Sicht sollten öffentliche Mittel gezielt in zukunftsfähige Mobilität einfließen. Sie nannte den Ausbau und die Leistbarkeit öffentlicher Verkehrssysteme sowie eine "Infrastruktur, die Resilienz, Klimaschutz und soziale Teilhabe stärkt."
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