Glatteis-Alarm im Osten Österreichs: Dutzende Sturzopfer im Spital
Zusammenfassung
- Gefrierender Regen verursacht am Dienstag im Osten Österreichs akute Glatteisgefahr mit Flugumleitungen, Zugausfällen und Verkehrsbehinderungen.
- ÖBB und Behörden raten von nicht dringenden Bahnreisen ab, zahlreiche Verbindungen sind betroffen, auch auf den Straßen kommt es zu Unfällen.
- Die Stadt Wien hebt das Salzstreuverbot bis Dienstagmittag auf, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.
Der gefrierende Regen sorgt im Osten Österreichs am Dienstag für akute Glatteis-Gefahr. Betroffen sind vor allem Wien, der Großteils Niederösterreichs, das Nordburgenland sowie einige Gebiete Oberösterreichs.
Damit kommt es auch zu Beeinträchtigungen im Verkehr. Der Flughafen Wien-Schwechat blieb witterungsbedingt am Dienstagvormittag gesperrt. Ab 11 Uhr wird der Betrieb wieder hochgefahren. Auch dann sei jedoch weiter mit Verzögerungen zu rechnen, teilte Sprecher Peter Kleemann mit. Zunächst würden abfliegende Maschinen abgefertigt. Ab Mittag soll es auch wieder Landungen geben.
Ankommende Flüge wurden zu anderen Airports - etwa München, Frankfurt, Köln, Venedig - umgeleitet. Abflüge waren verzögert. Der Linzer Flughafen war zwar offen, die Landebahnen waren aber in der Früh noch nicht griffig genug, um Ausweichflüge aus Wien aufzunehmen.
Auf dem Flughafen Wien in Schwechat ist der Betrieb witterungsbedingt vorläufig eingestellt worden.
"Dicke Eisschicht" auf Vorfeld, Rollwegen und Pisten
Auf dem gesamten Vorfeld, den Rollwegen und den Pisten habe sich "eine dicke Eisschicht gebildet, die unmittelbar nach der Enteisung sofort neu gefriert", erläuterte Kleemann. Der Winterdienst auf dem Airport sei "seit den Nachtstunden voll im Einsatz". An Reisende erging der Rat, sich bei ihren Airlines "über den Status gebuchter Flüge zu informieren. Sind Flüge abgesagt, ersuchen wir Passagiere nicht zum Airport zu kommen". Das galt auch nach der Wiederaufnahme des Flugbetriebs. Außerdem müsse mehr Zeit für die Anreise eingeplant werden.
Austrian Airlines informierten, dass der Flug OS08 von Bangkok nach Wien und der Flug OS38 Newark-Wien witterungsbedingt nach München ausweichen mussten und die betroffenen Fluggäste entsprechend umgebucht würden. Der Flug OS42 von Washington nach Wien muss nach Graz diverten. "Im Laufe des Tages wird es aus derzeitiger Sicht zu weiteren Umleitungen und Streichungen kommen", so die AUA.
Beeinträchtigungen im Bahnverkehr
Auch im öffentlichen Verkehr, konkret der Bahn, kam es zu Beeinträchtigungen. Nicht nur die Straßen, sondern auch die Weichen und die Oberleitungen können vereisen. Die ÖBB ersuchen daher Reisende, nicht dringende Reisen auf einen anderen Zeitpunkt zu verschieben.
Von Götzendorf in Niederösterreich Richtung Wien kam es auf der Ostbahnstrecke teils zu vierstündigen Wartezeiten auf den Bahnsteigen. Dementsprechend groß waren Ärger und Unsicherheit bei einigen Verkehrsteilnehmenden.
Es kam zu zahlreichen Streckenunterbrechungen und Ausfällen, etwa bei bei der S-Bahn in Wien. Zwischen dem Wiener Hauptbahnhof und dem Flughafen sind bis voraussichtlich 13 Uhr keine Fahrten möglich. Nicht betroffen davon seien aber die S-Bahn und der City Airport Train (CAT). ÖBB-Fahrausweise werden von den Wiener Linien bis 13 Uhr anerkannt. Züge auf der Südstrecke zwischen Wien und Graz enden und starten nicht am Wiener Hauptbahnhof, sondern in Wien-Meidling.
Die Zugbindung bei allen nationalen Tickets mit Kaufdatum bis Montag wurde für den Zeitraum bis zum heutigen Dienstag aufgehoben. Diese Fahrscheine können auch erstattet werden. Für Tickets für Reisen in Nachtzügen innerhalb Österreichs ist neben der Erstattung auch eine Umbuchung für Fahrten bis 31. Jänner möglich, informierte die Bahn.
Viele Einsätze auf Straßen
In Niederösterreich waren die Feuerwehren in allen Landesteilen stark gefordert. Seit Montag, 18 Uhr, wurden rund 70 Fahrzeugbergungen gezählt, teilte Klaus Stebal vom Landeskommando mit. Notruf Niederösterreich verzeichnete bis in die Vormittagsstunden mehr als 100 Rettungsdiensteinsätze. Das ist laut Philipp Gutlederer ein Drittel mehr als an einem durchschnittlichen Tag.
Ausgerückt worden sei zu Verkehrsunfällen, zudem seien immer wieder auch Personen auf vereisten Gehwegen ausgerutscht oder gestürzt und dabei verletzt worden.
Zahlreiche verletzte Fußgänger in OÖ
Auch in Oberösterreich sind die Einsatzkräfte vielerorts im Einsatz. Die Feuerwehren verzeichneten seit Montagnachmittag rund 100 Einsätze. In Vöcklamarkt ist ein Tiertransporter mit rund 2.000 Hühnern verunglückt. Hinzu kamen etliche kleinere Unfälle. Zudem dürften viele Fußgänger gestürzt sein: Die Ambulanz sei voll, hieß es beim Unfallkrankenhaus Linz, die zu Verarztenden seien "sicher zu 90 Prozent" Sturzopfer.
Auch im Öffi-Verkehr gab es in Oberösterreich mancherorts Probleme, einige Kinder konnten nicht in die Schule kommen. Seitens der Bildungsdirektion Oberösterreich gab es keine Schulschließungen wegen des Eiswetters, es könne aber durchaus regionale Lösungen geben, hieß es. Falls es angebracht sei, könnten Direktorinnen und Direktoren für ihre Schule beschließen, dass die Kinder entschuldigt seien.
Öffi-Fahrgäste werden ersucht, sich vor Fahrtantritt in der digitalen Fahrplanauskunft auf der Website oder in der OÖVV-Routenplaner-App über etwaige Ausfälle und Verzögerungen zu informieren. Der Welser Tiergarten wurde aus Sicherheitsgründen den ganzen Dienstag gesperrt, teilte die Stadt mit.
Eisenstadt: Viele Verletzte auf der Unfallambulanz
Auch die Unfallambulanz im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt verzeichnete am Vormittag bereits die ersten Verletzten und rechnete bis Mittag mit vermehrtem Zustrom. Es wurde appelliert, nicht notwendige Wege zu unterlassen.
Der Landessüden hingegen blieb laut Gesundheit Burgenland vom Glatteis verschont und selbst in der Klinik Kittsee (Bezirk Neusiedl am See) gab es Normalbetrieb. Fahrzeugbergungen verzeichnete die Landessicherheitszentrale Burgenland landesweit lediglich vier in der Nacht auf Dienstag.
Wiener Berufsrettung wegen Stürzen im Einsatz
In Wien wurde das grundsätzlich geltende Salzstreuverbot aufgehoben. Bis 12 Uhr darf Salz gestreut werden, teilte die Straßenreinigung (MA 48) mit. Laut Stadt Wien waren 2021 und 2014 die bis dato letzten beiden Male, an denen das Salzstreuverbot aufgehoben wurde. Dies bedeutet, dass entsprechende Auftaumittel auf Gehsteige - die bei gefrierendem Regen nach einer Räumung ansonsten rasch wieder spiegelglatt werden - auch dort aufgebracht werden dürfen, wo es sonst nicht erlaubt ist. Das ist etwa in der Nähe von unversiegelten Flächen bzw. Bäumen der Fall. Für die Betreuung von Gehsteigen sind die Grundeigentümer bzw. jeweiligen Hausbesitzer zuständig.
Die zuständige Magistratsabteilung 48 war laut eigenen Angaben schon seit Montag im Volleinsatz. Ab 14.00 Uhr wurden gestern alle 68 Großräumfahrzeuge in den Dienst gestellt, teilte man der APA mit. In der Nacht auf Dienstag starteten die Kleinfahrzeuge der Straßenreinigung um Mitternacht. Sukzessive wurde weiteres Personal bereitgestellt. Ab 6.00 Uhr war laut der Mitteilung die gesamte Winterdienstmannschaft mit 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 281 Streufahrzeugen im Einsatz.
Bis 12 Uhr musste die Berufsrettung 65 Personen nach Stürzen am Glatteis notfallmedizinisch versorgen und ins Krankenhaus bringen, sagte Sprecher Andreas Huber. Bisher "kein erhöhtes Einsatzaufkommen" gab es unterdessen bei der Berufsfeuerwehr Wien. "Es hat sich offenbar jeder gut auf die Verhältnisse eingestellt", sagte Sprecher Jürgen Figerl. Die Situation werde aber genau beobachtet, versicherte er.
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