Chronik | Österreich
24.02.2018

Gewerkschaft: Gewalt gegen Lehrer nimmt zu

Gewerkschaft schlägt Alarm, Attacken und Drohungen sollen künftig statistisch erfasst werden.

Cybermobbing, Beschimpfungen, verbale sowie körperliche Attacken – Lehrer und Direktoren würden immer öfter von Schülern bloßgestellt, beleidigt und tätlich angegriffen, schlagen deren gewerkschaftliche Vertreter Alarm. Jeder vierte Pädagoge in Österreich soll bereits Opfer von Gewalt sein. An Schul- oder Polizeibehörden weitergeleitet werden diese Übergriffe jedoch nur selten.

"Die Gewalt gegen Lehrer nimmt zu, die Angriffe steigen qualitativ und quantitativ an", sagt der Bundessprecher der Gewerkschaft der österreichischen Pflichtschullehrer, Paul Kimberger. Das beginne in Sozialen Netzwerken. "Da hagelt es Beschimpfungen und Ehrenbeleidigungen." Und es ende in roher körperlicher Gewalt. Bei vielen Attacken sei Gefahr im Verzug, sodass die Polizei eingeschaltet werden müsse. Kimberger: "Das Problem beginnt bei den Volksschülern und betrifft alle Altersgruppen. Und es ist kein Migrationsproblem."

Zahlen kann er jedoch nicht nennen; die Gewerkschaft würde keine entsprechende Statistik führen (die Polizei übrigens auch nicht, Anm.), aber eine deutsche Studie könne man nach Stichproben-Befragungen eins zu eins umlegen, sagt Kimberger. "Jeder vierte deutsche Lehrer ist mit Gewalt durch Schüler konfrontiert. Das gilt auch für unsere Pädagogen und Direktoren, die von Schülern und Eltern bedroht werden", betont der Gewerkschaftschef.

"Respektlosigkeiten nehmen zu", pflichtet ihm Isabella Zins, Sprecherin von 345 AHS-Direktoren, bei. "Langsam, aber spürbar" würde sich die Zahl jener Eltern, die Schulleiter mit Vorwürfen eindecken, erhöhen.

"Hohe Dunkelziffer"

"Da müssen wir wachsam sein." Mitte März will Zins bei einem Treffen mit Bundesländer-Koordinatoren eine Erfassung aller Übergriffe anregen. Zins: "Sorgen bereitet, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist, denn Schulen wollen die Fälle nicht unbedingt nach außen tragen."

Ein KURIER-Rundruf bei den Landessschulräten zeigt, dass die Problematik dort anders wahrgenommen wird. "Die Gewalt gegen Lehrer hat nicht jenes Ausmaß erreicht, sodass man Zahlen erheben würde", sagt Roland Bieber, Leiter der Präsidialabteilung des Salzburger Landesschulrats. In Niederösterreich sei in diesem Schuljahr ein Fall zur Anzeige gebracht worden, heißt es aus St. Pölten. Die burgenländische Bildungsdirektion meldet, die Angriffe in diesem Schuljahr könne man an einer Hand abzählen. Und Wiens Bildungsdirektor Heinrich Himmer wendet ein: "Wir benötigen die Infos der Gewerkschaft, um mit Schulpsychologen und Sozialarbeitern aktiv werden zu können." Einen Anstieg der Angriffe orte er jedenfalls nicht. Selbiges ist aus allen Bundesländern zu hören.Die große Ausnahme ist Kärnten. Lehrergewerkschafter Stefan Sandrieser, betont, dass ihn fast täglich Pädagogen kontaktieren würden, die Opfer von Schülerattacken seien. "Erst diese Woche war eine Volksschullehrerin bei mir, weil sie gebissen und bespuckt wurde", erzählt Sandrieser.

Attentatsdrohung

Ebenfalls diese Woche wurde an einem Schüler-Schreibtisch der HLW Hermagor eine mit Bleistift eingeritzte Drohung entdeckt. Man werde am Freitag ein Attentat gegen die Schule verüben, wurde da angekündigt. Die Schulleitung alarmierte die Polizei, die gestern bei der Schule Zutrittskontrollen durchführte, aber nichts Verdächtiges fand – auch nicht den Urheber der Drohung. "Drohungen gegen Schulen und Lehrer sind leider keine Einzelfälle mehr. Viele Schulen überlegen, in den Gebäuden Notrufsäulen zu installieren", weiß Kärntens Bildungsdirektor Rudolf Altersberger.

"Hart durchgreifen"

Bundesschulsprecher Harald Zierfuß nimmt all die Alarmrufe ernst: "Das ist schockierend und wenn derartige Konflikte ausbrechen, muss hart gegen die Schüler durchgegriffen werden." Um dem Problem ernsthaft begegnen zu können, müsse man aber primär "Zahlen schaffen. Offenbar ist es an der Zeit, die Vorfälle zentral aufzulisten". Zierfuß schlägt vor, dass sich alle Beteiligten rasch an einen Tisch setzen mögen.