Chronik | Österreich
07.08.2017

Gesetzesnovelle sorgt für volle Tierheime in Österreich

Verunsicherung ist groß. Tierschützer sprechen von "verpfuschtem Gesetz".

Die Mitarbeiter im Tierheim St. Pölten sind entsetzt, wie herzlos Tierbesitzer sein können. Bei mehr als 35 Grad Celsius Außentemperatur sind auf einem Parkplatz in Lilienfeld vor Kurzem drei junge Katzen in einer weißen Schachtel ausgesetzt worden. Fassungslos macht dabei eine kurze Botschaft, die auf der Außenseite des Kartons zu lesen war: "Wegen Tierschutzgesetz".

Dass die Gesetzesnovelle ein Grund für viele Unsicherheiten beim Vermitteln von Tieren mit sich bringt, davon sind auch die Betreiber des Wiener Tierschutzvereins (WTV) in Vösendorf überzeugt. Seit 20. Juli zählten sie vier ähnliche Fälle, bei denen insgesamt 22 Katzen in NÖ ausgesetzt wurden.

Die Katzen aus Lilienfeld erholen sich von ihren Strapazen. "Ein Besitzer wollte sich wohl mit seiner Aufschrift für seine Tat rechtfertigen. Aber das ist nicht entschuldbar", sagt der St. Pöltner Tierheimleiter Davor Stojanovic. Tierbesitzer sollten sich über Übergangsfristen oder das Weitervermitteln von Tieren informieren.

Stolpersteine

Derzeit seien im neuen Tierschutzgesetz zwar noch "Stolpersteine" zu erkennen, aber man sei zuversichtlich, dass Lösungen gefunden werden können, sagen die Bediensteten in St. Pölten. Denn das eigentliche Ziel sei, den illegalen Tierhandel via Internet oder Kofferraum zu stoppen. Als Stolpersteine sehen die Tierschützer, dass auch kleinere Vereine und Privatpersonen durch das neue Gesetz ins Visier der Behörden geraten. Denn für sie gilt ebenfalls das Verbot zur Vermittlung der Tiere über das Web.

"Deswegen ist die Verunsicherung groß. Wir stoßen an unsere Kapazitätsgrenzen und das Tierheim Linz ist schon voll", sagt Oliver Bayer, Sprecher des Wiener Tierschutzvereins in Vösendorf. Ohne der Hilfe kleinerer Tierschutzvereine sei der Tierschutz in Österreich de facto tot. Madeleine Petrovic, Präsidentin des WTV, ist überzeugt, dass die "aktuelle Zunahme an ausgesetzten oder abgegebenen Tieren auf die Novelle zurückzuführen sei. Sie spricht von einem "verpfuschten Gesetz" und fordert die Gesetzgeber auf, die Tierschutzbewegungen einzubeziehen.