Chronik | Österreich
19.05.2018

Geisterjäger: Eine Nacht im Spukschloss

Dreifach eingesperrt, um den Vorgängen rund um die Gräfin Salamanca auf die Spur zu kommen

Ein Spukschloss? Ein Geist, der umgeht? Eine hartherzige Gräfin, die nicht zur Ruhe kommt? Firlefanz, ein inszenierter Hokuspokus, den es zu entlarven gilt – mit dieser vorgefassten Meinung nimmt jedenfalls der Autor dieser Zeilen die ungewöhnliche Einladung an, eine Nacht im Schloss Porcia in Spittal (Kärnten) verbringen zu dürfen.

Sie beginnt auf Bitte des Hausherrn, Museumsdirektor Hartmut Prasch (Landtagsabgeordneter des Team Kärnten), am Abend in einem Spittaler Innenstadtlokal. Ein Bier wird kredenzt, die „Einschulung“ zur Gespensterjagd erfolgt:

Gebeine bestattet

2004 sei es zu einem Fehlalarm im Schloss gekommen, da hätten zwei Polizisten den Spuk das erste Mal miterlebt und Pfefferspray gegen die herumgeisternde Gräfin Salamanca eingesetzt. Peinlich und daher in keinem Polizeiprotokoll vermerkt. Vor zehn Jahren machten sich Medien, Parapsychologen und „Ghostbusters“ ein Bild von den Vorgängen. Geräusche, Kraftfelder, die Kirchturmuhr läutet und der Lift fährt, obwohl die Stromzufuhr gekappt wurde. Vielleicht lag es an den Gebeinen der Familie, die in Bananenkisten im Spittaler Stadtarchiv gelagert waren? Der einstige Bürgermeister Gerhard Köfer, heute Parteichef des Team Kärnten, ließ sie 2011 bestatten – um den Spuk zu beenden.

Köfer will sich nun selbst eine Meinung bilden, er ist mit seiner Frau Evelyn dabei, als Prasch im zweiten Stock des Schlosses Porcia zum Lokalaugenschein lädt. Auf dem Weg zum Fürstenzimmer, in dem Gräfin Salamanca auf einem Bild verewigt ist, werden drei Türen versperrt. Dreifach eingesperrt in einem Geisterschloss. Es ist stockfinster. Alle sitzen, niemand regt sich – der Boden aber sehr wohl, er bebt spürbar. Kein Auto fährt vorbei, die Kristallluster bewegen sich nicht. Der Boden wackelt weiter. Sicher Einbildung.

Mitternacht naht

„Nicht erschrecken, ich muss husten“, flüstert Prasch. Und hustet. Dann passiert ewig genau nichts. „Ab Mitternacht wird es am intensivsten“, lautet Praschs fachkundiger Hinweis. Er muss es wissen, ist er doch „Nachbar“ des Gespenstes, da sich sein Büro im selben Stockwerk befindet. Plötzlich ein Klopfen aus dieser Richtung. Da wird wohl das alte Gemäuer arbeiten. Das Holz. Kennt man.

Man hört ein Flüstern. Dann ein Geräusch, als würde Putz von der Decke des Nebenzimmers rieseln. Es folgt ein Rütteln wie an Gitterstäben. Ist das die eiserne Tür, die versperrt wurde? Es gibt nur eine logische Erklärung: Prasch hat hier Scherzbolde versteckt und die Geistergeschichte erfunden, um die Werbetrommel für sein Museum zu rühren. Plötzlich eindeutig Schritte, die sich aus dem südlich gelegenen Zimmer auf die lauschenden Geisterjäger zubewegen und stoppen. Gleich wird ein Scherge Praschs „Buh!“ rufen und uns alle auslachen.

Gänsehaut

Nein, gleichzeitig Schritte im Nebenraum, die ebenfalls stoppen. Gänsehaut. Ein Anflug von Panik. Nur nichts anmerken lassen und abwarten. Nichts. Die Lärmverursacher müssen noch in den Nebenräumen sein. Dann wird das Licht eingeschalten, das Schloss inklusive Dachboden durchsucht. Kein Mensch, kein Tier, kein Lautsprecher. Und von jetzt an passiert auch nichts mehr, also keine Geisterbegegnung von Angesicht zu Angesicht.

Spukt es jetzt in dem Schloss oder nicht? In der Frage werden sich weiterhin die Geister scheiden. Formulieren wir es so: Es gibt im Schloss Porcia definitiv faszinierende, unerklärliche Phänomene (die man gerne ein zweites Mal erleben würde).