Das Haus in der Kaiser-Josef-Straße 10

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Chronik | Österreich
05/23/2019

Gegenteil erwirkt: Bauboom nach Antrag auf Baustopp

Initiative ging nach hinten los: Einreichungen von Bauträgern bei Gemeinde häufen sich.

Die „Liste Baum“ hat am 10. Mai eine Unterschriftenliste in Purkersdorf (Bezirk St. Pölten) abgegeben. Die Plattform fordert einen Baustopp in der gesamten Stadtgemeinde. Als Gründe nennen sie „eine Reihe von aus dem Ruder gelaufenen Bauten, die die Anrainer in ihren Lebensbedingungen beeinträchtigen“.

Diese Initiative habe nun zu einem umgekehrten Trend geführt: Einem Bauboom, meint Bürgermeister Stefan Steinbichler (SPÖ).

„Die Initiative hat sich bis zu Bauträgern herumgesprochen. Unsere Bauabteilung kriegt kaum noch Luft, weil zig Einreichungen gekommen sind“, sagt er. Weil bekannt sei, dass die Initiative am 25. Juni besprochen wird, würden viele die Zeit bis dahin noch nützen, um noch einzureichen. „Zehn Projekte sind seit Abgabe der Bürgerinitiative eingelangt, davon zwei große. Sonst gibt es vielleicht insgesamt zwei Einreichungen pro Monat. Insbesondere ist derzeit nicht die typische Zeit für Einreichungen“, fährt er fort.

Die Forderung nach einem Baustopp sei in dieser Form daher nicht zielführend. „Man hätte den Baustopp in den Gremien ernsthaft diskutieren und durchdenken können. Das wäre sinnvoller gewesen“, argumentiert er.

30 Zentimeter

Als Beispiel für „aus dem Ufer gelaufene Bauten“ nannte die „Liste Baum“ die Kaiser-Josef-Straße 10, wo bis auf 30 Zentimeter zum angrenzenden Balkon gebaut wurde. Der Eigentümer der Liegenschaft sagt dazu aber: „Es hat bezüglich des Balkons und des Lichthofs eine einvernehmliche Einigung gegeben.“

Claus Rechberger – der Gemeinderat legte vor knapp einem Monat sein Mandat zurück, weil er sich mehr auf seine Familie kümmern will – sei dem Eigentümer entgegengekommen. „Denn nach der Bauordnung, die hier eine geschlossene Bauweise vorsieht, müsste auf einen Balkon nicht Rücksicht genommen werden. Lediglich eine Mindestbelichtung des Wohnraumes war sicherzustellen, die mit dem Lichthof auch eingehalten wurde“, erklärt er. Der Lichthof sei fast doppelt so groß angelegt worden, wie er ursprünglich geplant.