Chronik | Österreich
20.08.2018

Foodora-Betriebsrat: "Die Verträge sind schlechter geworden"

Robert Walasinski und Thomas Moldaschl über die Sicht der Mitarbeiter und die Arbeitsbedingungen.

Robert Walasinski arbeitet seit mehr als zwei Jahren bei Foodora. Der 33-Jährige fing als freier Dienstnehmer an, ist mittlerweile einer von 60 angestellten Fahrern. Die Gewerkschaft vida steht ihm zur Seite und will, dass bis Ende des Jahres ein Kollektivvertrag eingeführt wird.

KURIER: Warum haben Sie mit ihren Kollegen bei Foodora einen Betriebsrat gegründet?

Robert Walasinski: Mir ist von Tag eins schon irgendetwas faul vorgekommen. In der kurzen Zeit, die wir dort waren, sind wir drauf gekommen: Da wird einfach drübergefahren. Ich bin überzeugt, wir sitzen mit den falschen Leuten da. Im Endeffekt, mit denen, die nicht wirklich was zu sagen haben, sondern die Strohmänner sind.

Ihr habt ja mit der Gründung die Unternehmensführung ziemlich überrascht. Wie war die Reaktion?

WalasinskiDie erste Reaktion der damaligen Geschäftsführung war wirklich beinhart: Wir schließen und Ihr seid Schuld. Am nächsten Tag haben wir eine Betriebsversammlung in der Firma gehabt. Und die haben wen aus Berlin einfliegen lassen, der früher auch in Wien zuständig war und der versucht hat, uns das in zwei Stunden auszureden. Jetzt haben wir die dritte Geschäftsführung in unserem Bestehen. Wir fangen halt immer wieder bei Null an.

Erschwert Euch die Geschäftsführung die tägliche Arbeit als Betriebsrat?

WalasinskiSie würden sagen: Nein, machen sie nicht. Aber machen sie, in dem sie uns Auskünfte sehr widerwillig geben. Sie geben uns, ich will jetzt nicht sagen absichtlich, aber falsche Auskünfte. Wir haben einmal Quartalszahlen bekommen, die vorne und hinten nicht gestimmt haben. Das war aber mit der ehemaligen Geschäftsführung. Mit der neuen versuchen wir jetzt, eine kooperative Stimmung zustande zu kriegen.

Thomas Moldaschl (vida): Man darf ja nicht vergessen, es handelt sich bei Delivery Hero (Unternehmen hinter Foodora, Anm.) um einen milliardenschweren und weltweit agierenden Konzern. Das heißt, wir haben es hier nicht mit Amateuren zu tun, die frisch ein Unternehmen gegründet haben und nicht wissen, wie die Gesetze laufen. Deshalb verwundern gewisse Informationspolitiken des Unternehmens schon sehr stark.

Was hat sich seit der Gründung geändert?

Walasinski: Wir haben weniger Angestellte, mehr freie Dienstnehmer und die Verträge sind schlechter geworden. Was wir als Teilerfolge anschreiben können, ist: sie wollten eine massive Schlechterstellung der Rider Captains (Teamleiter, Anm.) machen. Sie haben ja die Stelle gestrichen und gesagt, Ihr könnt zwar weiterfahren, aber zu schlechteren Konditionen. Als Betriebsrat haben wir dem nicht zugestimmt. Im Endeffekt sind sie eingeknickt und haben die Verträge weiterlaufen lassen.

Was sagt Ihr als Betriebsrat zu der Bezahlung der vielen freien Dienstnehmer?

WalasinskiEs ist eine Risikoauslagerung. Ich differenzier da immer. Für einen Studenten, der sich jetzt zum Beispiel das Fortgehen finanziert, ist es gar nicht so schlecht. Vor allem, wenn man das mit anderen Botendiensten in Relation setzt. Wir sehen es aber sehr problematisch, wenn man das über 20 Stunden die Woche machts. Wenn es halt wirklich notwendig ist.

Wie schaut es mit der Einführung des Kollektivvertrages aus?

WalasinskiDas Problem an dem Ganzen ist: Den Kollektivvertrag können wir uns aufmalen, wenn es irgendwann nur noch freie Dienstnehmer gibt. Das ist die große Krux.

Ihr habt also das Gefühl, dass es darauf ausläuft?

Moldaschl: Es ist langfristig ein Kampf, weil es natürlich vom Unternehmen nicht das Bedürfnis gibt, hier etwas schnell zu regeln.

Ist der Druck durch die Konkurrenz, die mittlerweile auch Fuß gefasst hat, größer geworden und wird durch den Marktkampf hinten und vorne spart?

Walasinski: Ja, ich denke, dass ist auf jeden Fall merkbar. Ich will per se kein Foodora-Bashing machen. Denn man sollte sich auch mal „Uber Eats“ anschauen.

Moldaschl: Manchmal haben wir das Gefühl, Foodora glaubt, wir wollen Foodora-Bashing betreiben. Das ist ja gar nicht der Fall. Wir wollen, dass die Beschäftigten gute Arbeitsbedingungen haben. Momentan schaut es halt so aus, dass die Interessen hauptsächlich auf die des Unternehmens hingetrimmt sind.