Chronik | Österreich
07.07.2014

Fliegende Hightech-Funkstreife der Polizei

Bisher galten die Helikopter des Innenministeriums als Staatsgeheimnis. Der KURIER flog mit.

Es waren dramatische Momente. Der Polizeihubschrauber schwebte zwei Meter vor dem Fluchtfahrzeug des Bankräubers. Eine Tür des Helikopters stand offen, ein Beamter hatte seine Glock-Pistole im Anschlag. Der Bankräuber, der zuvor vier Straßensperren durchbrochen hatte und nun mit dem Auto in einem Maisfeld stand, schaute fassungslos. Wenige Minuten später eilten Polizisten zu Fuß herbei und nahmen den Mann fest. "Das war im vergangenen Jahr im Marchfeld (NÖ)", berichtet Wilhelm Stastny, Leiter der Wiener Flugeinsatzstelle der Polizei.

Was die Helikopter genau machen, galt bisher als Staatsgeheimnis, schließlich geht es um verdeckte Aufträge, etwa für den Verfassungsschutz. "Wir wollen die Gegenseite nicht warnen. Kurz bevor wir Wärmebildkamera installiert haben, kamen bereits Decken auf den Markt, die man sich überwerfen konnte, um nicht enttarnt zu werden", sagt Stastny.

Die Piloten sprechen von einer "fliegenden Funkstreife". Doch die Helikopter sind weit mehr als das. Sie sind echte Hightech-Fluggeräte. Sie haben Apparate, mit denen Handys abgehört werden können, FLIR-Wärmebildgeräte (für die Fahndung in der Nacht) und sie können Beobachtungsvideos drehen, die live in die Polizeizentrale gesendet werden. Das kam etwa bei der Hausexplosion auf der Mariahilfer Straße zur Anwendung, um nach Überlebenden zu suchen.

Dazu können Suchscheinwerfer eingesetzt werden, die ein halbes Fußballfeld ausleuchten. Oder die Hubschrauber transportieren Cobra-Polizisten – wie zuletzt beim Staatsbesuch von Wladimir Putin. "Theoretisch müssen wir den russischen Präsidenten aus jeder Lage per Hubschrauber sofort retten können", erklärt Stastny.

Vergangene Woche war der KURIER mit dem Wiener Polizei-Hubschrauber auf Streife. An Bord sind Jungpilotin Regine Pichler und ein nö. Polizist. Die Aufgabe: Auf der Hohen Wand muss eine Absturzstelle fotografiert werden. Und die Autobahnen A2 und A3 sowie Grenzstellen zu Ungarn werden überflogen. Gesucht wird nach verdächtigen Fahrzeugen. Kontrolliert werden Punkte, an denen oft Diebsgut übergeben wird. Außerdem werden verdächtige Klein-Lkw gesucht, die auf Nebenwegen fahren. Doch an diesem Tag sind keine bösen Buben unterwegs.

Für die Beamten sind ohnehin jene Einsätze, bei denen Menschen aus Bergnot gerettet werden, die interessantesten. Stastny: "Man freut sich, wenn man einen Einbrecher gefunden hat, aber der ist weit weg. Nachher geht man schlafen und liest es am nächsten Tag nach. Mit Bergeinsätzen ist oft Leid verbunden und es ist schön, wenn wir jemanden gesund nach Hause bringen."

Vorerst keine Polizei-Drohnen für Österreich geplant

Mit EU-Geldern wird derzeit an einer europäischen Polizei-Drohne gearbeitet. Unter dem Arbeitstitel "Aerocopter" wird ein unbemanntes Fluggerät entwickelt, das auch bewaffnet sein soll.

Was im militärischen Einsatz mehr oder weniger sinnvoll ist, hat bisher im polizeilichen Betrieb wenig Erfolge gezeigt. In Deutschland etwa hat die Polizei Drohnen ausprobiert, der Erfolg war aber eher mäßig. Denn die Vorgaben sind enorm: Das Flugwetter muss passen, ein speziell ausgebildeter Beamte muss vor Ort sein, und die Drohne muss herbeigeschafft werden. Die meiste Zeit blieben die Geräte deshalb am Boden.

"Prinzipiell müsste es in jedem Streifenwagen eine Drohne geben, damit das sinnvoll ist", sagt Wilhelm Stastny von der Wiener Flugpolizei. Außerdem müsste zusätzlich zu den Hubschraubern ein eigener Flugbetrieb aufgebaut werden – mit eigenen Mechanikern, mit jenen, die die Fluggeräte steuern und vielem mehr. Die Kosten wären hoch.

"Volles Service"

Damit dürfte der Helikopter das einzige Fluggerät bleiben, wie es auch aus hochrangigen Polizeikreisen heißt. "Der Polizeihubschrauber bietet ein volles Service an", sagt Stastny. Er könne das Gleiche wie eine Drohne, aber eben noch viel mehr.