Chronik | Österreich
27.12.2017

Felssturz in Tirol: Notweg offen, aber keine Entwarnung

Seit dem späten Dienstagnachmittag ist eine provisorische Fahrbahn freigegeben.

Nach dem gewaltigen Felssturz in Vals in Tirol haben die eingeschlossenen rund 150 Dorfbewohner aufatmen können: Am späten Dienstagnachmittag wurde ein Notweg freigegeben, wodurch sie wieder die Möglichkeit haben, ins Tal zu gelangen. Für das vom Felssturz unmittelbar betroffene Gebiet konnte indes weiter keine Entwarnung gegeben werden.

Der Berg sei noch immer in Bewegung, sagte Landesgeologin Petra Nittel-Gärtner der APA. Ein kleiner Bereich habe sich auch in der Nacht auf Mittwoch abgelöst, ein größerer mit lockerem Material könne sich jederzeit lösen, so die Geologin nach einem Erkundungsflug am Mittwochvormittag. Wie viel Gesteinsmaterial noch zu Boden donnern könnte, sei nicht abschätzbar. Dies hänge etwa davon ab, ob sich eine vorhandene offene Spalte "neu öffnet", so Nittel-Gärtner. Dass bereits der Großteil der Felswand abgebrochen sei, könne man "leider nicht sagen".

Nur für Anreiner benutzbar

Drei Wohnhäuser im Siedlungsbereich "Tummelers Sand" bleiben evakuiert. An Aufräumungsarbeiten auf der Valser Landesstraße (L 230) sei weiter nicht zu denken, so die Landesgeologin. Man stehe jedenfalls auf Abruf für weitere Erkundungsflüge bereit, sollte es wieder zu größeren Felsabbrüchen kommen. Am Mittwoch habe man zudem einen terrestrischen Laser-Scan durchgeführt, bei dem die ganze Wand abgelasert worden sei. Die daraus gewonnen Daten könne man dann mit alten Daten vergleichen. Dies sei für die weitere geologische Arbeit von großer Bedeutung.

Der Notweg bzw. die provisorische Fahrbahn ist indes nur für Anrainer benutzbar. An der Befestigung des Weges war zuvor eifrig gearbeitet worden. Mit zwölf Lkw-Fuhren Schotter wurde der Notweg über einen Feldweg und eine Forststraße so weit befestigt, dass auch Pkw darauf fahren können. Die Bewohner der Weiler Innervals und Padaun waren seit dem gewaltigen Felssturz vom Heiligen Abend verkehrstechnisch von der Außenwelt abgeschnitten.

Wetter als große Unbekannte

Die große Unbekannte blieb jedoch vorerst die weitere Wetterentwicklung. Zu viel Niederschlag - ob Regen oder Schnee - würden den Notweg in Mitleidenschaft ziehen. Im hinteren Talbereich bei Innervals wird der Forstweg zudem von zwei Lawinenstrichen gekreuzt.

Der gewaltige Felssturz hatte die Landesstraße im Valsertal am Abend des 24. Dezembers bis zu 50 Meter hoch verschüttet. Personen kamen nicht zu Schaden, allerdings wurden mehrere Weiler der Gemeinde Vals von der Außenwelt abgeschnitten. Zudem mussten zahlreiche Häuser in der Gefahrenzone evakuiert werden. Nur wenige Minuten vor dem Felssturz hatten mehrere Kinder die Stelle auf dem Rückweg von der Christmette passiert. Bürgermeister Klaus Ungerank und Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) als Leiter des Krisenteams sprachen von einem "Weihnachtswunder.