Extremwetter: Der Schnee warf Österreich aus der Bahn
Am Flughafen musste erst geräumt werden
Zu richtigen Schneemassen sind viele Österreicherinnen und Österreicher am Freitagmorgen erwacht. Wie angekündigt, traf in der Nacht zuvor ein Tief aus Italien in Österreich ein und brachte jede Menge Neuschnee. Bis zu 44 Zentimeter sind im Lesachtal in Kärnten gefallen, um die 32 Zentimeter in Schröcken in Vorarlberg. Im Osten, rund um St. Pölten, Bad Vöslau oder dem Westen Wiens, fielen bis zu 20 Zentimeter.
Auf der B25 in NÖ forderte zwischen Scheibbs und Purgstall die Kollision zweier Pkw fünf verletzte Personen.
Die in so kurzer Zeit gefallenen Schneemengen haben Freitagmorgen in ganz Österreich zu Unfällen, Lawinen und Sperren geführt. Über 13.000 Feuerwehrmitglieder waren österreichweit im Einsatz, berichtet der Österreichische Berufsfeuerwehrverband. „Aufgrund des schweren und nassen Schnees kam es vordergründig zu umgeknickten Bäumen, die Straßen blockierten“, wird berichtet. Aber auch stecken gebliebene Autos und Lkw mussten von den Einsatzkräften geborgen werden. Zwei Tote und mehrere Verletzte waren aufgrund der Unfälle sowie abgegangener Lawinen ebenfalls zu beklagen.
Kein Betrieb am Flughafen
Dazu kamen umfangreiche Sperren im Verkehr. Etwa am Flughafen Wien: Über Stunden war der Betrieb am Freitagvormittag eingestellt. Erst gegen Mittag konnten die ersten Flieger abheben, so der Sprecher des Flughafens Peter Kleemann. Rund 20 Zentimeter Neuschnee wurden am Gelände des Flughafens gemeldet. Der Winterdienst sei seit Donnerstagabend „durchgehend im Einsatz“ gewesen. Rund 200 Mitarbeiter und über 100 Fahrzeuge seien mit Räumung und Enteisung beschäftigt gewesen. Und die Bilanz kann sich sehen lassen: Insgesamt 15.000 Tonnen Schnee wurden durch etwa 1.000 Lkw-Fuhren innerhalb von zwölf Stunden vom Flughafengelände beseitigt.
Letzte Sperre im Jänner
Winterliche Wetterverhältnisse sorgten auch schon vor knapp einem Monat dafür, dass der Flughafen gesperrt werden musste. Damals nicht aufgrund von Schnee, sondern Glatteisbildung. Schnee und Eis kämen immer wieder vor, sagt Kleemann. Heuer aber sei es anders: „Extremwettersituationen, wie wir sie heuer hatten, kommen in dieser Intensität selten vor. Vergleichbare Situationen liegen mehrere Jahre zurück.“
Abseits vom Flughafen war am Freitag auch auf mehreren Bahnstrecken mit Sperren und Ausfällen zu rechnen, wie man der Streckeninformation der ÖBB entnehmen konnte. In Wien, Niederösterreich, dem Burgenland, der Steiermark und Kärnten kam es auf Lokalstrecken „aufgrund der Schneefälle“ zu Problemen. Die Fahrgäste wurden gebeten, mehr Zeit einzuplanen.
Die größte Störung vermeldeten die ÖBB aber auf der Weststrecke. Im Bereich Tullnerfeld kam es im Laufe des Vormittags zu einer „Fahrzeugstörung“, so eine Sprecherin. Ob das mit dem Schnee zu tun hatte oder nicht, war am Freitag noch nicht klar. Zunächst war die Strecke nur eingleisig befahrbar, der zweigleisige Betrieb konnte gegen Mittag aber wieder aufgenommen werden.
„Nicht überragend“
Lässt man die Schneemengen klimatologisch einordnen, wird man allerdings auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: „Es war ein Ereignis, das viele Probleme verursachen kann. Klimatologisch betrachtet, war es aber nicht überragend“, sagt Alexander Orlik von Geosphere Austria. Oder konkreter ausgedrückt: „Wäre es zwei Grad wärmer gewesen, dann wäre das alles als Regen heruntergekommen und niemand hätte darüber geredet.“ Auch wenn die Kombination aus Italientief und kalter Luft im Norden doch recht selten sei, sagt Orlik. In Zahlen heißt das: 20 bis 30 Liter Wasser pro Quadratmeter sind in der Nacht auf Freitag gefallen. Das ist in etwa die Hälfte von dem, was normalerweise den ganzen Winter über gemessen wird.
Betrachtet man außerdem die Schneemenge, die innerhalb von 24 Stunden gefallen ist, habe es „lange schon nicht mehr so viel geschneit“, sagt Orlik. Für einen neuen Winterrekord reicht es aber nicht. Da habe es schon schneereichere Winter gegeben.
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