Oberst Roland Miedler, Eurofighter Pilot, Bundesheer

© ATV / Atv

Interview
12/07/2019

Eurofighter-Pilot: „Es drückt dir das Blut aus dem Gehirn“

Viel kritisiert, für die Sicherung des österreichischen Luftraums aber unverzichtbar: die Eurofighter. Ein Pilot erzählt aus seinem Alltag.

von Markus Strohmayer

Er war einer der ersten Österreicher, der einen Eurofighter flog. Zwölf Jahre später sitzt Bundesheer-Oberst Roland Miedler immer noch im Cockpit. Trotz der Strapazen, die das Steuern eines 150.000 PS-Fliegers mit sich bringt, denkt der gebürtige Freistädter nicht ans Aufhören.

KURIER: Sie fliegen seit 2007 mit dem Eurofighter. Gibt es eine Altersgrenze?

Roland Miedler: Ich bin 53, also ein Dinosaurier. Dass ich noch dabei bin, liegt daran, dass ich von Verletzungen verschont geblieben bin, während jüngere Kollegen aufgrund der starken Beschleunigung und der Wirbelsäulenprobleme, die daraus entstanden sind, aufhören mussten.

Beim Fliegen ist man starken Belastungskräften (g) ausgesetzt. Bei 5 g drückt es das Blut in die Beine, bei 7 g rast das Herz. Wie gewöhnt man sich daran?

Mit hartem Training. Durch Anspannung der Gesäß- und Bauchmuskulatur und Pressatmung verhindert man, dass es das Blut aus dem Gehirn nach unten drückt. Ab einem gewissen Zeitpunkt sieht man nur noch schwarz-weiß. Das ist aber kein Problem, wir haben ja auch jahrelang so ferngesehen.

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Es gibt in Österreich 14 Eurofighter-Piloten und einen Nachwuchsmangel. Warum?

Die Ausbildung ist teuer, nur die Besten kommen in Frage. Wir wären froh über mehr Junge, aber oft fehlen körperliche Voraussetzungen. Durch die viele Zeit vor Handy und Computer ist ihre Hand-Augen-Koordination gut, aber oft sind Wirbelsäulen geschädigt.

Was ist der anspruchsvollste Teil der Ausbildung? Wir wurden beim Überlebenstraining von einem Schiff ins eiskalte Meer geworfen und mussten Überlebensmaßnahmen treffen. Zu solchen Situationen würde es kommen, wenn man über dem Wasser den Schleudersitz betätigt.

Oberst Roland Miedler, Eurofighter Pilot, Bundesheer

Funktioniert der Schleudersitz so spektakulär wie im Film „Top Gun“?

Beim Piloten läuft der „Ausstieg“ im Ernstfall ohne Nachdenken. Man zieht einen Griff zwischen den Beinen. Danach ist vom Abwurf der Kabinenhaube bis zum Öffnen des Schirms und der Landung am Bodens alles automatisiert.

Wie fühlt es sich an, mit mehr als 2.500 km/h zu fliegen? Überschall spürt man nicht. Es fehlt die Referenz. In der Höhe sieht man keine Berge, nur blauen Himmel. In tieferen Lagen ist es anders – wie beim Autofahren: 130 km/h auf der Autobahn fühlen sich anders an als im Ortsgebiet.

Es gibt modernere Jets als den Eurofighter Typhoon. Möchte man als Pilot im Cockpit eines F-35 von Lockheed Martin sitzen? Ein Reiz wäre das. Aber unsere Eurofighter verbessern sich laufend. Wie bei einem Smartphone wird die Software durch Updates optimiert.

Wie werden unangemeldete Flugzeuge abgefangen? Wir heben ab und nehmen Sichtkontakt mit der Maschine auf. Je nachdem wie deren Pilot reagiert, wird eine Meldung an den Verteidigungsminister gemacht. Der trifft die Letztentscheidung.

Saab-Ausfall. Seit vergangener Woche müssen die Eurofighter die gesamte Sicherung des Luftraums in Österreich übernehmen. Die alten Saab-105-Flugzeuge können seitdem aus technischen Gründen nicht mehr fliegen. Dadurch kommt es zu massiven Mehrkosten – eine Flugstunde für die Saab-105 kostet 3.000 Euro; die eines Eurofighters beinahe das Zehnfache. Trotz Sparmaßnahmen nimmt das Bundesheer die Zusatzkosten in Kauf, um den Luftraum zu sichern. 

Der Grund für den Saab-Ausfall sind Risse in den Bolzen, die das hintere Leitwerk mit dem Rumpf verbinden. Bis die Bolzen nachproduziert sind, vergehen Monate.

Seit Jahren macht das Verteidigungsministerium auf die Probleme in der aktiven Luftraumüberwachung aufmerksam – die erstmals 1970 in Dienst gestellten Saab-105 benötigen dringend einen Nachfolger. Die Politik hat bisher fast immer geschwiegen.
 

Wie schnell ist der Eurofighter vom Boden in der Luft?

Mit hochgefahrenen Systemen in zwei, drei Minuten. Mit Überschall ist man von Zeltweg in Wien und in Innsbruck in zirka 20 Minuten.

Wie lassen sich die vielen Flugstunden hinsichtlich CO2-Ausstoß rechtfertigen?

Unsere Trainingsstunden sind am Minimum. Die Triebwerke sind effizient und wir fliegen treibstoffsparend: Im Landeanflug segeln wir quasi.

Laufen einem als Kampfjet-Pilot die Frauen hinterher?

Selbst einen Eurofighter zu fliegen wird irgendwann Routine, wenn auch eine schöne. Man sieht täglich die Sonne. Das sind aber keine Vergnügungsflüge. Wenn ich durchgeschwitzt aus dem Cockpit steige, möchte keine Frau in der Nähe sein. Langfristig ist das Raubbau am Körper. Aber eben auch eine Leidenschaft, die ich nicht missen will.

Info: Roland Miedler ist heute um 20.15 Uhr auf ATV in der Reportage „Bundesheer im Einsatz: Luftraumüberwachung“ zu sehen.

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