Chronik | Österreich
15.06.2018

Ermittlungen gegen 28 Lehrer der Waffen-HTL

Unbekannter sorgt an HTL für Anzeigenflut, die Behörden auf die Probe stellt

„Das Phantom der Waffen-HTL“ nennen die Ermittler den anonymen Anzeiger. Die Lehrer an der fraglichen Schule in Ferlach, Bezirk Klagenfurt Land, sind sich nicht mehr sicher, welchem Kollegen sie noch über den Weg trauen können und wer sie ständig hinterrücks vernadert – seit mehr als einem Jahr schwärzt ein Unbekannter die rund 70-köpfige Pädagogenschar an der über die Landesgrenzen bekannte Schule für Waffen- und Fertigungstechnik an. Die Mobbing-Affäre hat nun eine Dimension erreicht, die österreichweit einzigartig ist und es der Staatsanwaltschaft (StA) Klagenfurt sowie dem Bundesamt für Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung (BKA) verunmöglicht, die Ermittlungen abzuschließen.

Schüler würden unbeaufsichtigt in Werkstätten agieren; Mädchen würden gezwungen, gemeinsam mit Burschen zu turnen; Lehrer ohne entsprechende Qualifikation würden unterrichten; Schülerzahlen würden getürkt, um Förderungen auszunutzen; Lehrgänge wären nicht rechtens durchgeführt worden, Zeugnisse folglich ungültig, ja sogar Maturaabschlüsse und Ingenieurstitel müssten aberkannt werden; die Direktorin Silke Bergmoser und Landesschulrat Rudolf Altersberger würden diese Machenschaften decken – das ist nur ein Auszug aus rund 50 Anzeigen, die die Staatsanwaltschaft Klagenfurt seit März 2017 aufzuarbeiten versucht. Die Sachverhaltsdarstellungen sind anonym und mit „ein Hinweisgeber“, „ein besorgter Bürger“, „eine besorgte Mutter“ oder „der Sicherheits- und Initiativkreis“ gezeichnet.

Zehn neue Beschuldigte

„Es geht um Untreue, fahrlässige Körperverletzung, Amtsmissbrauch, Betrug, schweren Betrug und Verleumdung. Aktuell ermitteln wir gegen 28 Lehrer (darunter die Direktorin und der Bildungsdirektor, Anm.). Zwölf davon werden als Verdächtige geführt“, berichtet StA-Sprecher Markus Kitz. Mit im Boot ist auch das BAK. „Momentan sind alle Vernehmungen abgeschlossen, wir warten auf den Bericht der Staatsanwaltschaft“, heißt es vom BAK. Das kann lange dauern, denn immer, wenn die Ermittlungen in einer Causa eingestellt sind, trudelt eine neue Anzeige ein.

Wie vor wenigen Tagen. Die Schule hätte in den letzten zehn Jahren 500.000 Euro an Steuergeldern durch Scheinrechnungen veruntreut, lautet der Vorwurf. „Wir erledigen die Sachen mit der Salamitaktik, also scheibchenweise. Aber wir kommen mit den Ermittlungen nicht nach. Wegen der neuesten Anzeige mussten wir wieder zehn Lehrer nacherfassen“, berichtet Kitz.

Ob es sich um einen einzelnen Vernaderer handelt, oder um mehrere Täter, ist Gegenstand der Ermittlungen. Altersberger – für ihn und Bergmoser gilt die Unschuldsvermutung – glaubt an mehrere. „Dass die Anzeigen aus der Schule kommen, ist Fakt, weil Details aus Lehrerbesprechungen widergegeben werden. Der Stil variiert und teilweise geht es um Details, die Jahrzehnte zurückliegen“, berichtet er. Einige Lehrer der Waffen-HTL hätten die ständigen Einvernahmen satt und würden überlegen, mit den gleichen Waffen zurückzuschlagen: also mit Anzeigen wegen Verleumdung. „Ich persönlich jedenfalls denke jetzt diesen Schritt an“, betont Altersberger.