Ist die Mobilitätswende bei der Polizei noch machbar? Nachdem Innenminister Gerhard Karner den Test mit 22 VW-Elektrofunkstreifen mit Jahresende stoppt und weiterhin auf Verbrennermotoren setzt (der KURIER berichtete), stellt sich die Frage, wie es in Zukunft weiter geht. Ab 2035 sollen in Europa fast nur noch E-Fahrzeuge verkauft werden, danach werden wohl auch die verbliebenen Tankstellen rapide weniger werden.
Wie sieht es anderswo aus? In der Schweiz, in Schottland, in Luxemburg, den Niederlanden, in Norwegen, Italien und Spanien sowie in Deutschland werden unterschiedliche E-Fahrzeuge bei der Polizei eingesetzt, insbesondere im städtischen Bereich. Vielerorts sind die E-Fahrzeuge aber erst kurz im Einsatz.
Zwei Millionen elektrisch gefahrenen Kilometer
Der Blick nach Deutschland zeigt, wie unterschiedlich die Einsatzfähigkeit beurteilt wird. Der Innenminister von Baden-Württemberg, Thomas Strobl (CDU), meinte etwa im Vorjahr: „Die Polizei hat mit mehr als zwei Millionen elektrisch gefahrenen Kilometern eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass hohe Einsatzbereitschaft, modernste Technik und nachhaltige Mobilität eine gelungene Kombination darstellen.“ Inzwischen ist mehr als ein Zehntel der 5.400 Polizeifahrzeuge elektrisch betrieben.
Anders sieht es die Polizei-Gewerkschaft: „Ohne eigene Lade-Infrastruktur und mit eingeschränkter Reichweite sind viele E-Fahrzeuge im Schichtdienst derzeit schlicht nicht alltagstauglich.“ So kam es zu Einsätzen, die wegen fehlender Restreichweite verschoben oder abgebrochen werden mussten. Wobei Baden-Württemberg auf den Audi Q4 e-tron 45 Quattro setzte statt auf VW ID.3 und ID.4 wie Österreich.
Polizei in Nordrhein-Westfalen
Ein Problem ist auch, dass chinesische Marken vielfach überlegen sind, aber es problematisch ist, wenn derart wichtige Infrastruktur in Händen der Asiaten ist. Bis heute ist unklar, ob China (wie auch Tesla) diese Fahrzeuge aus der Entfernung deaktivieren kann. Auch deshalb setzt die Exekutive auf europäische Fabrikate. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen kam zu einem ähnlichen Schluss wie das Innenministerium in Wien. Es gebe noch keine Modelle, die geeignet seien, erklärte Innenminister Herbert Reul (CDU) in einem Bericht für den Landtag. Die 116 eingesetzten E-Fahrzeuge würden insbesondere zu logistischen oder anderen nicht eiligen Zwecken eingesetzt. Die Streifenwagen sind jedoch alle Verbrenner.
„Die derzeit am Markt verfügbaren Elektrofahrzeuge können die für den Wachdienst erforderlichen Anforderungen, etwa in Zuladung und Reichweite, noch nicht ausreichend erfüllen“, sagte Reul. „Ein zeitnaher Einsatz elektrisch betriebener Funkstreifenwagen im Wachdienst ist zunächst nicht beabsichtigt.“ Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sagte im Welt-Nachrichtensender, es sei „völlig absurd“, wenn die Polizei nicht anrücken könne, weil Streifenwagen „bei Aldi an der Ladesäule“ stünden.
In ganz Bayern verfügt die Polizei laut neuesten Zahlen des Innenministeriums lediglich über 176 vollelektrische Pkw und 14 vollelektrische Motorräder von insgesamt 9.800 Fahrzeugen. In einem bayernweiten Pilotversuch werden derzeit 20 Elektroautos auf Alltagstauglichkeit bei den Polizeipräsidien getestet. „Drei Typen deutscher Hersteller sind dazu ausgewählt worden: der Audi Q4 e-tron, der BMW iX1 und der VW ID.4“, so die Abendzeitung.
„Bei den im Streifendienst verwendeten Elektrofahrzeugen werden Standzeiten an den Dienststellen konsequent zum Laden genutzt, sodass keine Reichweitenprobleme auftreten“, geht aus einer Anfragebeantwortung aus dem Bayrischen Landtag hervor.
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