Die Brücke krachte direkt auf die Gleise

© APA/S. ULLRICH

Chronik Österreich
12/12/2019

Eine Minute nach dem Zug krachte Brücke auf die Gleise

800 Tonnen Material stürzten ab: Fast fünf Jahre nach dem Unglück in der Steiermark startete der Prozess.

von Elisabeth Holzer

"Der Schutzengel, der damals dafür gesorgt hat, dass das so ausgegangen ist, ist heute noch auf Rehab wegen der Anstrengung", kommentiert einer der Verteidiger und meint damit: Am 21. Februar 2015 schlitterte Österreich haarscharf an einer der womöglich größten Zugkatastrophen seiner Geschichte vorbei. Exakt eine Minute rettete den Passagieren im Intercity 718 an jenem Tag das Leben: Um 18.04 Uhr fuhr der Zug unter der Baustelle einer Brücke durch, die in Frohnleiten, Graz-Umgebung, errichtet wurde.

Um 18.05 Uhr krachte die Brücke in sich zusammen. 800 Tonnen Baumaterial landeten auf den Schienen.

Beinahe fünf Jahre nach dem Unglück beginnt Donnerstagvormittag der Prozess gegen sieben Angeklagte: Statiker Bauunternehmer, Ziviltechniker. Staatsanwalt Hansjörg Bacher wirft den Männern fahrlässige Gemeingefährdung vor, verhandelt wird im Bezirksgericht Graz-West. Mindestestens 1,3 Millionen Euro hoch war der Sachschaden, die Summe ist schon längst beglichen.

Aber wie kam es zum Einsturz? Laut Gutachten sei der Bauplan des Gerüsts geändert worden, das die Brücke stützte. Doch das hätten die Verantwortlichen nicht "kommuniziert", wie Bacher ausführt. Die Verteidigung moniert jeodch Mängel im Gutachten, das einen wichtigen Teil gar nicht berücksichtigt habe: Zwischen den bereits stehenden Brückenpfeilern und dem Tragwerk habe die sogenannte Aufstapelung gefehlt. Das sei nichts anderes als eine Menge Holzbretter, beschreibt ein Verteidiger: Wären sie angebrachgt gewesen, hätte die Brücke beim Einruch des Gerüstes zwar auch nachgegeben, aber "nur um die Höhe von einem Brettl. Ein Hinunterfallen ins Tal wäre unmöglich gewesen."

Der Richter bemüht sich, Struktur in dieses "komplexe, technische Verfahren" zu bringen, immerhin waren damals 27 Firmen allein am Bau beteiligt. "Das ist kein klassischer Kriminalfall, sondern eine Verkettung unglücklicher Umstände", betont er und legt den Angeklagten sowie ihren Verteidigern nahe, doch "Verantwortungsübernahme" anzudenken.

"Moralische Verantwortung"

"Das ist kein Geständnis im klassischen Sinn", betont der Richter, aber notwendig für eine eventuelle Diversion: Die Angeklagten kämen damit und einer Geldbuße um eine Verurteilung herum. Damit hätte auch er kein kein Problem, versichert der Staatsanwalt. Die Verteidiger sind darauf vorbereitet, wie es scheint. "Die Verantwortung moralischer Natur übernehmen wir", kündigt der Rechtsanwalt des Erstangeklagten an. "Es wäre ihm möglich gewesen, anzurufen und zu fragen, ist die Aufstapelung da?"

Der Prozess ist vorerst für den gesamten Donnerstag angesetzt.

 

 

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