Eine Milliarde Euro für mehr Bahnsicherheit

ECTS…
Foto: /ÖBB ECTS-Messung (gelb im Vordergrund)

ÖBB reagiert nach Vorfällen: Automatisches Zugbeobachtungssystem, neues Gesetz und hohe Investitionen in neue Technik.

Geisterzüge, ein umgekippter Railjet mit verletzten Insassen oder verlorene Metallteile auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke – in den vergangenen Monaten kam die Bahn aus den negativen Schlagzeilen nicht mehr heraus. Die Kritik an der Sicherheit beherrschte die mediale Berichterstattung, vor allem im KURIER. Selbst in der Chefetage der ÖBB im Gebäude Praterstern wurde ein großes Plakat an die Eingangstür geklebt: "Sicherheitskennzahl um 40 Prozent verschlechtert! Jetzt sind wir ALLE gefordert!" ist zu lesen.

Die ÖBB reagieren nun und präsentieren ein Milliardenprogramm für eine Verbesserung der Sicherheit. Bis zum Jahr 2022 müssen sich die ÖBB in allen Sicherheitsfragen um mindestens zehn Prozent verbessern, lautet der Auftrag von oben. 1,09 Milliarden Euro aus dem Infrastrukturbudget werden direkt in technische Aufrüstungen gesteckt. Weitere zwei Milliarden sind bereits für die Anschaffung moderner Züge fixiert.

Zuglaufcheckpoint… Foto: /ÖBB Zuglaufcheckpoint Vor allem ein österreichweites Netz an Zuglaufcheckpoints ist dabei ein Herzstück. An 46 Stellen werden umfangreiche Messsysteme aufgebaut, die bei vorbeifahrenden Züge prüfen, ob bei den Waggons Teile abstehen, das Gewicht stimmt oder sogar, ob die Schneeketten eines Pkw auf einem Autoreisezug herunterhängen. Rund eine Million Euro kostet jede dieser Anlagen. Damit kann verhindert werden, dass Züge Teile in der Tunnelkette der Hochgeschwindigkeitsstrecke Wien-St. Pölten verlieren.

Dazu sollen Gleisfreimeldeanlagen an den Schienen installiert werden, damit kein Zug auf ein besetztes Gleis einfahren kann. Allein dadurch soll bis 2022 das Risiko von Zusammenstößen um mehr als 90 Prozent reduziert werden, hoffen die ÖBB.

Neues Gesetz geplant

Wichtiges Thema ist die Sicherung der Bahnübergänge. 66 Prozent der Lenker missachten hier Stoppschilder, haben interne Zählungen ergeben. Derzeit ist ein neues Gesetz im Gespräch, wonach hier Videoüberwachungen ermöglicht werden – Strafen für die Lenker inklusive. Auch bei den Übergängen mit Rotlicht soll die Zahl der Überwachungskameras von derzeit sechs auf über hundert in den nächsten eineinhalb Jahren aufgestockt werden.

Zugunfall, Wien Meidling… Foto: KURIER/Gerhard Deutsch Umgekippter Railjet-Waggon Darüber hinaus wurde ein internes vertrauliches Meldesystem installiert, dass auf alle Bereiche des Konzerns ausgeweitet wird. Damit wollen die ÖBB Missstände erfahren, die sonst unter den Teppich gekehrt werden. Das Problem ist auch, dass bisher eher eine Kultur nach dem Motto "So lange es keiner sieht, ist nichts passiert" geherrscht hat, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Dies wolle man nun ändern.

Schlechte Bilanz

Fest steht, dass die Sicherheit seit etwa 2014 schlechter geworden ist, das belegen interne wie externe Zahlen. Die Zahl der Schienenunfälle ist laut Verkehrsministerium um über 20 Prozent gestiegen, die ÖBB-interne Sicherheitskennzahl hat sich um rund 50 Prozent verschlechtert. Betont wird bei der Bahn, dass es den letzten getöteten Passagier im Jahr 2005 gab, seither starb niemand mehr in einem Zug.

Verschärft wird das subjektive Sicherheitsgefühl durch das Internet und die sozialen Medien. Erst am Sonntag tauchte etwa in einem Internetforum ein Bericht auf, dass eine Schnellbahn mehrere Stationen mit offener Tür unterwegs war. ÖBB-Untersuchungen ergaben: Es handelte sich offenbar lediglich um die Tür zu einem Raum des Zugpersonals.

(kurier) Erstellt am
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