Chronik | Österreich
01.08.2017

Eine Frau wird höchster Polizist des Landes

Michaela Kardeis erhält Top-Job: Eine Grüblerin, Salzburgerin und USA-Fan übernimmt Konrad Koglers Nachfolge.

Die gebürtige Salzburgerin Michaela Kardeis wird Nachfolgerin von Konrad Kogler als Generaldirektor(in) für die öffentliche Sicherheit im Innenministerium. Die 45-jährige wurde am Dienstag offiziell präsentiert. Sie ist die erste Frau, die den formell höchsten Rang innerhalb der Polizei bekleidet. Ihre Bestellung ist durchaus auch für Insider als Überraschung zu sehen. Zuletzt waren mehrere andere Personen im Gespräch – wie etwa die Landespolizeidirektoren von Oberösterreich (Andreas Pilsl) und Tirol (Helmut Tomac) oder auch der ehemalige Sobotka-Kabinettschef Michael Kloimüller.

Bestellung Formsache

"Ich nehme das Ergebnis der Begutachtungskommission als Entscheidungsgrundlage und freue mich ganz besonders, dass künftig eine Frau als Generaldirektorin für öffentliche Sicherheit tätig sein wird", erklärte Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) in einer ersten Stellungnahme.

Nach der im Innenministerium getroffenen Personalentscheidung werden nun die Personalvertretung und das Bundeskanzleramt eingebunden, was nur mehr eine Formsache ist. Das Ernennungsrecht kommt dem Bundespräsidenten zu. Wann Kardeis ihr Amt antreten wird, steht daher noch nicht fest. Von diesem Zeitpunkt abhängig ist auch der Wechsel Koglers nach Niederösterreich.

Zuvor in Wien und NÖ

Kardeis (geborene Pfeiffenberger) war bis Dezember Vize-Polizeipräsidentin in Wien. Sie wurde bereits mehrfach als nächste Polizeipräsidentin der Bundeshauptstadt gehandelt, hat sich aber als Nachfolgerin von Peter Stiedl nicht beworben. Bei ihrem Abtritt von Wien hieß es, dass Kardeis in die USA emigrieren möchte. Das betonte sie auch in Gesprächen gegenüber Journalisten. Deshalb wurde sie nur als Außenseiterin bei der Kogler-Nachfolge genannt. Zuletzt war sie in der Generaldirektion für Trendmonitoring, gesellschaftliche Entwicklung, Führungskräfte-Entwicklung und gesundheitsförderliches Führen zuständig.

Kardeis begann ihre Karriere in Salzburg, wo sie zunächst Jus studierte. Ende der 90er-Jahre war sie zunächst im im Büro für Frauenfragen und Gleichbehandlung tätig, danach wechselte sie in in die Präsidialabteilung des Landes Salzburg. Nach einem einjährigen Gastspiel im Kabinett von Innenminister Ernst Strasser (ÖVP) wurde sie die erste Leiterin einer Polizeiberhörde – von 2001 bis 2002 in Schwechat. Danach trat sie ihr Amt als Vizepräsidentin in Wien an, das sie bis Dezember 2016 inne hatte. In der Ära Horngacher, in der sich zahlreiche Polizeispitzen bekämpften, wurde sie mehrfach angezeigt. Alle Vorwürfe erwiesen sich damals aber als haltlos, ihre weiße Weste blieb unbefleckt.

In einem Trend-Interview outete sich Kardeis als Fan von Karaoke, dem Gesellschaftsspiel Activity und Autorennen (am Computer). Eigentlich wollte sie Kinderärztin werden. Sie war die erste in ihrer Familie, die ein Studium absolvierte. Sich selbst bezeichnete Kardeis als "Grüblerin und Pessimistin".