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Chronik Österreich
12/15/2018

Ein Shoppingtag der Extreme in Wien

Im Umfeld der Mariahilfer Straße wird es heute eng: 350.000 Einkäufer müssen sich die Stadt mit 10.000 Demonstranten teilen.

Am vorletzten Weihnachtseinkaufssamstag erwartet Wien ein besonderer Härtest. Die Wirtschaftskammer schätzt, dass rund 350.000 Menschen in die Stadt strömen, um ihre Einkäufe zu erledigen. Doch die Schlacht um die Weihnachtspackerln wird noch von einer Großdemo gegen die Regierung überlagert. Auch wenn in Wien Demonstrationen fast auf der Tagesordnung stehen, wird das kein Routinetag.

Dass die Mariahilfer Straße nicht nur zur Vorweihnachtszeit zu den beliebtesten Einkaufsstraßen Wiens zählt, zeigt sich auch am Tag vor der Großdemo. Hier wird bereits kräftig einkauft. Eingepackt in Mantel und Schal trotzen die vielen Einkäufer jedes Alters der klirrenden Kälte und eilen durch die Fußgängerzone, um sich von Geschäft zu Geschäft vorzuarbeiten.

Gar nicht so leicht – denn vollgepackt mit Tragetaschen kommen sich die Einkäufer nicht nur in den Shoppingtüren in die Quere. Auch in der Begegnungszone selbst müssen einander die vielen vorweihnachtlichen Shopper immer wieder ausweichen. Der Weg durch die Einkaufsstraßen könnte heute noch etwas herausfordernder werden, wenn sich zusätzlich tausende Demonstranten durch die Straßen kämpfen.

Umsatzbremse

Immer wieder sorgen Demonstration in den Einkaufsstraßen für Unmut bei den Geschäftsleuten. Wenn sich eine Großdemo in diesem Ausmaß dann auch noch mit einem wertvollen Einkaufssamstag in der Vorweihnachtszeit kreuzt, kann das bei den Händlern zu Unruhe führen. Betroffen sind dabei heute vor allem die Geschäfte in der Burggasse, wenn die Straße von 16 bis 18 Uhr gesperrt wird. „Das ist eine Katastrophe für alle Geschäftsleute. Ich werde ab Mittag meinen Laden schließen und zu meiner Familie fahren“, sagt etwa Robert Rinner, der mit seinem Einrichtungsgeschäft „Wohnstudio Wien“ in der unteren Burggasse liegt.

Auch Magdalena Auff sagt, die Großdemo betreffe sie als Inhaberin ihres Modegeschäfts „Angle of Pleasure“: „Eine Demonstration hindert die Kaufkraft der Einkäufer. Der Laufkundschaft geht es gar nicht um den Grund der Demo, wenn es zugeht und laut ist, dann schreckt das einfach ab.“

Dass sich die Befürchtungen der Händler bewahrheiten könnten, meint auch Rainer Trefelik, Obmann der Sparte Handel der Wirtschaftskammer Wien: „Statt eines erfolgreichen Weihnachtssamstags sind Umsatzverluste von bis zu 70 Prozent zu befürchten.“

Befragte Wiener sehen das eher gelassen. Passant Ronny Conrad meint etwa: „Wenn es um politische Dinge geht, muss man den Konsum auch mal hinten anstellen.“

Im Jahr 2017 wurden in Wien 19.788 Kundgebungen angemeldet. Polizeisprecher Paul Eidenberger erklärt sich das mit den Wahlen und den Protesten gegen die neue Regierung. Für heuer wird wegen der EU-Ratspräsidentschaft eine ähnlich hohe Zahl erwartet. 57 Demonstrationen untersagte die Polizei im Vorjahr.

Geschäft in den Ländern

Außerhalb von Wien ziehen die Shopping-Center eine positive Zwischenbilanz des bisherigen Weihnachtsgeschäfts. Sowohl in der Grazer Shoppingcity Seiersberg als auch im Europark Salzburg sei die Stimmung bei den Händlern gut, heißt es auf Anfrage. Die Geschäfte laufen gut, berichten die Händler, und auch der Verkauf der Gutscheine hat spürbar zugelegt. „Der Gutschein ist das meistgeschenkte Geschenk“, sagt Europark-Center-Manager Manuel Mayer.

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