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Chronik Österreich
01/01/2019

Ein See mit dem Prädikat „eissicher“

Die weltweit größte präparierte Natureisfläche am Weissensee in Kärnten trotzt dem Klimawandel.

von Thomas Martinz

Mehr als 100.000 Nächtigungen stehen jährlich mit dem See in unmittelbarer Verbindung. Nein, die Rede ist nicht vom Wolfgang-, Wörther- oder Neusiedler See. Und nein, die Zahlen beziehen sich nicht auf die Sommersaison. Der Weissensee im Kärntner Bezirk Spittal ist auch im Winter ein Touristenmagnet, weil er seit Menschengedenken alljährlich das Eislaufen ermöglicht.

Einst war der Wörthersee Mekka für Kufenflitzer, bis in die 1980er-Jahre fror er durchschnittlich im Zwei-Jahres-Rhythmus zu und brachte Tausende aufs Glatteis. Doch seit 2006, als er das letzte Mal vom gleichnamigen Eislaufverein zum eisigen Vergnügen freigegeben werden konnte, tummeln sich dort im Winter nur Enten und Schwäne.

Nicht so am Weissensee, der in begünstigter Lage am Fuße der Gailtaler Alpen nahe Hermagor liegt. Bereits seit Mitte Dezember ist der See zur Hälfte von einer Eisschicht überzogen und seit dem Stefanitag offiziell für Kufenflitzer geöffnet.

„Er liegt auf 930 Metern Seehöhe, höher als die meisten Seen Österreichs“, sagt Meteorologe Paul Rainer. Die Zentralanstalt für Geodynamik (ZAMG) hat am See eine mobile Wetterstation errichtet und ein Phänomen entdeckt. „Am Wasser sind kalte, klare Nächte garantiert. 15 Meter höher im Ort Techendorf ist es oft um fünf Grad wärmer“, sagt Rainer.

80 „Eistage“

Kaum jemand in Österreich führt Statistiken über „Eistage“. Damit sind jene Tage gemeint, an denen sich nicht nur Wagemutige auf den glatten Untergrund trauen, sondern Flächen tatsächlich von Experten freigegeben werden. Der Eislaufverein Wörthersee (EVW) und Norbert Jank, Eismeister am Weissensee, tun dies sehr wohl; es entpuppt sich als ungleiches Duell: Der EVW betreut neun Kärntner Seen, auch viele kleine wie den Hörzendorfer, Rauschele- oder Silbersee. „Bis auf einen Ausreißer 2016/17 mit 197 Eistagen blieben wir zuletzt weit unter der Norm. 2006/07 beispielsweise waren es null Eistage, 2013/20014 nur sechs, 2017/18 wenigstens 65“, sagt Rene Riepan, Obmann des EVW.

Nicht so am Weissensee. „Laut unseren Urahnen wurde dieser See jedes Jahr zum Eislaufen freigegeben, wir haben trotz Klimawandel konstant jährlich zwischen 70 und 80 Eistage“, berichtet Norbert Jank. Der 71-jährige Eisguru vom Weissensee ist hauptverantwortlich für die touristische Erschließung des Gewässers im Winter.

Den Titel „Eismeister“ erhielt er von der James Bond-Crew, die hier 1987 Station machte und Szenen für den Film „Der Hauch des Todes“ drehte. Als Bond mit seinem Aston Martin spektakulär über das Eis des Weissensees brauste, wurden die Holländer hellhörig.

Holländer im Anflug

Dort ist Eisschnelllauf Nationalsport und die Elf-Städte-Tour über 200 Kilometer auf zugefrorenen Kanälen, Flüssen und Seen in der Provinz Fryslan war einst Religion. Weil sie aufgrund der klimatischen Bedingungen oft ins Wasser fiel, wurde die Veranstaltung 1989 an den Weissensee verlegt. „Hier musste das Event seitdem nie abgesagt werden“, sagt Jank stolz. Heuer geht es vom 19. Jänner bis 2. Februar in Szene.

„Die Holländer sind hier bis Ende Februar. Dazu kommen einheimische Gäste, weil nur wir Eissicherheit bieten“, sagt Touristiker Markus Brandstätter. So kommt es, dass der See mehr als ein Drittel der Nächtigungen im Winter verzeichnet: 114.664 in der Saison 2017/18. Im Sommer 2018 waren es 334.582.

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