Chronik | Österreich
08.10.2018

Ein Känguru und seine Folgen

Wie eine Marketing-Aktion die hiesige Medienlandschaft beschäftigte und die Wiener Stadtgärten mit Einsatzkosten drohten.

Rafaela Salzer sorgte vor zwei Jahren für ein sprunghaftes Verhalten in diversen österreichischen Zeitungsredaktionen. „Rätsel um Känguru im Wiener Stadtpark“ oder „Alle suchen das mysteriöse Stadtpark-Känguru“ war im April 2016 getitelt worden.

Zwei auf Facebook in Umlauf gebrachte manipulierte Fotos mit dem Känguru hatten nicht nur die Medien in Aufruhr versetzt. Die Stadt Wien durchforstete den Park, sogar der Tiergarten Schönbrunn zählte seine Kängurus durch. Der PR-Gag war der Startschuss für das damals noch junge Unternehmen „Beach Life Australia“, das mit australischer Bademode auch am österreichischen Markt mitmischen wollte.

Der Guerilla-Marketing-Aktion vorausgegangen war ein Brainstorming, in dem überlegt wurde, wie man dem jungen Start-up einen ordentlichen Boost verschaffen kann. „Wir wollten eine Aktion machen die keinem schadet, die Leute zum Schmunzeln bringt und die uns mit Australien verbindet und da war das Känguru aufgelegt“, erzählt die gebürtige Österreicherin.

Känguru fast gemietet

Ursprünglich wollte die Unternehmerin sogar ein echtes Känguru von einer österreichischen Farm ausborgen und nach Wien bringen. „Aber wir wollten dem Tier nicht den Stress antun“, schmunzelt sie. Also mussten Photoshop und ein Plastik-Flamingo herhalten.

Nicht erfreut von der Aktion zeigten sich die Wiener Stadtgärten (MA42), die der Unternehmerin nach der Suchaktion eine Geldstrafe androhten. „Sie erhalten seitens der Buchhaltungsabteilung eine Rechnung über Personal- & Fahrzeugeinsatz im Stadtpark, betreffend Känguru-Suche. Dies zu Ihrer freundlichen Vorinfo“, hieß es in der Nachricht. „Die haben damals geglaubt, dass wir Millionen Artikel verkauft haben“, sagt Salzer schmunzelnd. Nach einem Anruf bei der MA42 sah man von einer Rechnung ab.

Mehr als zwei Jahre später zeigt die Unternehmerin an Hand von Zahlen, was die Aktion tatsächlich gebracht hat. Die Zugriffe auf der Homepage waren rasant angestiegen, hatten sich innerhalb eines Tages verzehnfacht. Bei den Verkaufszahlen sorgte die Aktion hingegen für keinen Aufwind. „Am Wochenende danach hatten wir einige Bestellungen, aber alle aus Deutschland“, erzählt sie.

Trotzdem zeigt sich Salzer rückblickend zufrieden: „Insgesamt natürlich hat die Aktion sicher sehr viel zu unserem Markenaufbau beigetragen und sie hat uns sehr viele Türen geöffnet. Beach Life Australia ist ein lebendiges Beispiel, dass gutes Marketing sehr wichtig ist, aber nicht Erfolg garantiert.“

Den Vertrieb von „Beach Life Australia“ will Salzer jetzt verkaufen. Denn mittlerweile hat sie ein zweites Projekt, „Pupsy“, gegründet, eine Vermittlungsplattform für Hunde. „Eine Mischung aus Tripadvisor und Facebook“, beschreibt die Unternehmerin . Statt Mode für Badenixen steht jetzt die Liebe zum Vierbeiner im Vordergrund.