Chronik | Österreich
07.09.2018

Ein Drittel der Grazer Taferlklassler startet in Förderklassen

Neues Schuljahr bringt umstrittenen Systemwechsel: Kinder, die nicht ausreichend Deutsch sprechen, haben eigenen Unterricht.

„Das alte Modell hat gezeigt, dass wir nicht gut genug aufgestellt sind“, überlegt der Grazer Bildungsstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP). Mit seinen türkisen Parteifreunden im Bund ist er somit auf Linie: Die Idee, eigene Deutschförderklassen einzurichten, sei richtig. „Diese Klassen sind einfach notwendig gewesen“, verweist Hohensinner auf die sogenannten Grazer Brennpunktschulen: Dort sprechen 90 Prozent oder mehr Schüler Deutsch nicht als Muttersprache.

Rund 750 Erstklässler haben im beginnenden Schuljahr außerordentlichen Status, sitzen also in speziellen Deutschförderklassen. Das betrifft somit ein Drittel aller Anfänger. Insgesamt hat Graz rund 8300 Volksschüler.

Steiermarkweit wird es voraussichtlich 79 Deutschförderklassen geben, 45 davon allein in Graz. Im Bundesland Salzburg werden 27 solcher Klassen eingerichtet, 13 davon in der Landeshauptstadt. Klagenfurt wird sieben Förderklassen haben. Die Kinder können nach einem Semester wechseln, wenn sich ihre Deutschkenntnisse verbessert haben. Zeichnen, Turnen oder Musik lernen sie aber schon davor mit den Kindern der Regelklassen.

Der Platz reicht noch

Diese Ziffern könnten sich noch ändern, denn die endgültigen Schülerzahlen stehen erst mit 1. Oktober fest. Für Graz rechnet Hohensinner damit, dass noch weitere 150 Schüler dazu kommen. Eigene Klassen einzurichten könnte dann eventuell ein räumliches Problem ergeben, sprich: Der Platz in den Schulen reicht dann nicht mehr. „Wir gehen derzeit davon aus, dass wir das schaffen. Es ist natürlich eine große Herausforderung.“

Für die Dienstposten selbst ist das Land zuständig. Ein Umstand, den der Grazer Bildungsstadtrat schon gerne ändern würde. „Wir haben mehr Schüler als das Burgenland, mitgestalten können wir aber nicht“, kommentiert Hohensinner. „Wir stellen die Räumlichkeiten, ich bin nur der Hausmeister.“ Laut Bildungslandesrätin Ursula Lackner, SPÖ, seien für die Deutschklassen 50 Lehrerdienstposten nötig, wobei der Bund allerdings nur 28 finanziere. „Den Rest müssen wir aus dem normalen Stellenplan bedienen“, lässt die Landesrätin mitteilen. Für weitere Sprachförderung über diese Klassen hinaus sind noch einmal 100 Dienstposten eingeplant.