Politik | Inland
25.06.2018

Wien vs. Bund: Deutschförderung doch auch integriert möglich

Entspannung zwischen Stadt Wien und Ministerium: Vorübergehend soll auch integrierte Deutschförderung erlaubt sein.

Im Konflikt um die Einrichtung von Deutschförderklassen stehen die Zeichen zwischen Wien und Bildungsministerium auf Entspannung. Schulen mit Raumproblemen dürfen die Deutschförderung vorübergehend auch in integrierter Form umsetzen. Wien zieht als Gegenleistung das Auslösen des sogenannten Konsultationsmechanismus zurück. Das hätte bedeutet, der Bund hätte die Mehrkosten zahlen müssen. Insgesamt soll es in Wien über 300 Deutschklassen geben.

Ab Herbst müssen Kinder, die dem Unterricht nicht ausreichend folgen können, nach Wünschen der türkis-blauen Bundesregierung für bis zu vier Semester in eigene Deutschförderklassen. Dort wird in 15 bis 20 Wochenstunden nach eigenem Lehrplan Deutsch unterrichtet - nur in Fächern wie Zeichnen, Musik und Turnen sind die Kinder in den normalen Regelklassen. Einschränkung: Die Klassen werden erst ab acht Schülern pro Standort eingerichtet. Besuchen müssen sie außerdem nur Kinder, die in der ersten Schulstufe aufgenommen wurden, oder gerade in Österreich angekommene Quereinsteiger ins Schulsystem. Nach jedem Semester wird überprüft, ob die Kinder in die Regelklassen wechseln können.

Wien übte pädagogische Kritik und beschwerte sich auch wegen fehlender Räume. Nach längeren Verhandlungen gibt es eine Übereinkunft: Auf der einen Seite zieht Wien den Konsultationsmechanismus zurück, andererseits bekommen jene Schulstandorte, die eine Umsetzung der Deutschklassen aus organisatorischen und strukturellen Gründen nicht schaffen - also etwa Raumnot -,  eine Ausnahme zugestanden, bestätigte man im Bildungsministerium sowie im Büro von Wiens Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ): Die Schulen können die Deutschförderung schulautonom umsetzen, also auch in integrierter Form. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass dies in Abstimmung mit dem Ministerium passiert, eine eigene Lehrkraft für die außerordentlichen Schüler zur Verfügung steht und eine temporäre Maßnahme bleibt, betont man im Ministerium. So soll etwa abgeklärt werden, ob an Bundesschulen (AHS, BMHS) Raum in Anspruch genommen werden kann.

Inhaltliche Kritik bleibt

Laut Czernohorszky haben 46 Schulen Probleme bei der Umsetzung angemeldet, im Ministerium sieht man diese bei 21 bereits als intern gelöst an. An den restlichen 25 gibt es in diesen Tagen gemeinsame Begehungen.

"Als Pragmatiker bin ich immer davon ausgegangen, dass wir hier zu einer vernünftigen Lösung kommen. Diese haben wir jetzt erreicht", sagte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP). Czernohorszky hält seine inhaltliche Kritik aber aufrecht. "Insgesamt bleibt Wien dabei, dass es mehr Deutschförderung braucht und Schulen die Möglichkeit haben sollten, sie standortspezifisch umzusetzen." Internationale Studien würden belegen, dass Kinder gemeinsam und mit intensiver Unterstützung am besten lernen.