Chronik | Österreich
05.05.2013

Ehekrise bei Riesenschildkröten Bibi und Poldi

Die beiden Galapagos-Schildkröten im Klagenfurter Reptilienzoo Happ finden nicht mehr zueinander.

Wir haben einen Versöhnungsversuch gestartet, aber der ist leider gescheitert", seufzt Helga Happ, Chefin des Reptilienzoos in Klagenfurt im KURIER-Gespräch. „Jetzt müssen wir unser Gelände umgestalten, um Ruhe hineinzubringen.“

Denn „Bibi“ und „Poldi“, die einzigen Galapagos-Schildkröten in einem österreichischen Zoo, finden nicht mehr zueinander, obwohl es schon mehrere, außergewöhnliche Anläufe für eine Wiedervereinigung gab. Im Gegenteil: Vor allem das Weibchen pflegt zu zischen und zu beißen, wenn sie das Männchen gerade nicht vollends ignoriert. Für Nachwuchs haben die beiden etwa 115 Jahre alten Vertreter ihrer vom Aussterben betroffenen Art bisher noch nicht gesorgt.

Im Jahr 1976 bekam der Reptilienzoo in Kärnten das rüstige Pärchen vom Zoo in Basel, Schweiz, geschenkt. Die Panzertiere waren zusammen, aber doch getrennt, mit mittlerweile drei Seychellen-Schildkröten in eigens gestalteten Häusern und Grünbereichen untergebracht. Alles lief gut – bis zum Herbst 2011: „Bibi hat Poldi plötzlich ein Stück Panzer herausgebissen“, erzählt Helga Happ. Danach erhielt sie Empfehlungen aus aller Welt, auch aus Australien, wie die Ehekrise der 100-Kilo-Tiere zu bewältigen sei.

Attrappen

Unter anderem wurde aus einem Stein-Mehl-Gemisch für das kapriziöse Weibchen sogar eine Poldi-Attrappe mit dessen Duftstoffen angefertigt und in Bibis Gehege platziert, damit sie ihre Aggressionen an dem Dummy abladen könne. Doch Bibi drehte sich desinteressiert weg. Auch für Poldi gab’s einen Schildkröten-Dummy; der zeigte sich weit mehr begeistert.

Die jüngste „Wiedervereinigung“ brachte keine neue Entwicklung: „Bibi ist nach draußen, Poldi ihr nach. Erst hat sie sich nicht um ihn gekümmert sondern gefressen. Als sie satt war, hat sie nach seinem Fuß geschnappt.“ In dieser brenzligen Situation hilft nur eines: „Ich bin mit einer Tomate dazwischengegangen, denn dieses Gemüse liebt Bibi über alles“, weiß die Reptilienzoo-Chefin.

Die Konsequenz aus dem Beziehungskampf der unversöhnlichen Panzertiere: „Unsere Seychellen-Schildkröten bekommen ein neues beheiztes Haus. Das derzeitige wird so geteilt, dass Bibi und Poldi jeweils ein eigenes Umfeld haben und einander nicht in die Quere kommen können – mit Innenbereich, Freigelände und Wasserbecken. Wir hoffen, dass Bibi dann vergisst, warum sie auf Poldi so böse ist.“ Mit Kopfschütteln meint Helga Happ noch: „Vielleicht ist es einfach der falsche Mann ...“

Groß und sehr alt

Mit bis zu 95 Zentimeter Panzerlänge bei Männchen und etwa 80 Zentimeter bei Weibchen ist die Galapagos Riesenschildkröte die größte Landschildkröte der Welt. In Zoos werden die Tiere oft größer. Das älteste Exemplar starb im April 2006 im Zoo von Kairo mit angeblich 270 Jahren.

Zehn Unterarten

Diese Schildkröte steht unter Artenschutz. Fünf der 15 bekannten Arten sind bereits ausgestorben. Im Juni 2012 wurde der Tod von „Lonesome George“, des angeblich letzten Vertreters seiner Unterart, beklagt. Mittlerweile wurden jedoch Tiere mit ähnlichen genetischen Merkmalen entdeckt.