Chronik | Österreich
19.06.2018

E-Auto fahrunfähig: Händler bekommt keinen neuen Akku

Käufer fühlt sich vom Hersteller im Stich gelassen und kaufte Diesel um mobil zu sein

 „Das Auto ist wertlos, ich könnte es eigentlich im Stausee versenken“, sagt Erwin Seidl. Der 63-jährige Waldviertler hat ein gebrauchtes Elektrofahrzeug gekauft, dessen Akku nach weniger als einem halben Jahr immer schwächer wurde. Einen neuen Akku konnte seine Fachwerkstätte aber bisher nicht besorgen. „Ich habe 8000 Euro ausgegeben, aber das Auto fährt nicht“, sagt Seidl.

Fünf Jahre alt war der Renault Fluence, den Seidl vergangenen September bei einem Markenhändler gekauft hat. Bereits im Jänner 2018 hat er erstmals reklamiert. „Der Verkäufer hat mir gesagt, ich kann damit 120 Kilometer fahren. Aber dann waren es nur noch 70. Bei jeder Ausfahrt habe ich gezittert, ob ich noch heimkomme“, berichtete der Werkzeugmacher, der sich das Auto anlässlich seiner Pensionierung von einem Teil der Abfindung gekauft hat.

Weitere Anfragen bei der Firma haben bisher wenig genützt. Er habe angeboten, das Elektroauto zurückzugeben, um ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor zu kaufen. Seidl: „Ich hätte natürlich etwas aufgezahlt. Aber man hat mir für meinen Wagen 3500 Euro angeboten. Das kann ich nicht akzeptieren. Ich bin ja nur 2000 Kilometer gefahren.“ Seidl vermutet, dass die Akkus gar nicht mehr hergestellt werden. Bei Renault Österreich waren dazu keine Details zu erfahren. Lediglich, dass man sich um eine Lösung des Falles bemühe.

Es gibt nämlich ein weiteres Problem: Seidl hat den Akku nicht mitgekauft. Der sollte gemietet werden. Doch hat er von der Renault-Bank bis heute keinen Nutzungsvertrag bekommen. „Ich habe vermutet, dass man das erste Service abwartet, um die Jahreskilometerleistung abschätzen zu können.“ Was kam, war ein Anruf der Renault-Bank, in dem man ihm erklärte, Herr Seidl dürfe eigentlich ohne Leasingvertrag gar nicht fahren. Also hat er den Wagen in der Werkstatt stehen lassen.

Umstieg

„Ich wollte eigentlich nur einen neuen Akku, aber ich bekomme keinen“, klagt Seidl. Seine Bilanz: „Ich persönlich will kein Elektroauto mehr haben. Es war sowieso nur als Zweitauto gedacht. Jetzt habe ich mir einen Diesel genommen.“ Renault-Händler Hannes Kammerhofer sagt: „Ich kann den Kunden verstehen und bemühe mich, zu vermitteln, weil der Akku nicht in meine Zuständigkeit fällt.“

Recherchieren 

Elektrofahrzeuge sind noch nicht lange auf dem Markt, so  halten sich die Erfahrungen in Grenzen.  Fachleute empfehlen  vor einer Gebraucht-Anschaffung besonders umfangreich zu recherchieren.
So sollte man beim Händler fragen, wie viele der Neuwagengarantien auf den Zweitkäufer übertragen werden. Dazu sollte man   klären, ob der Akku mitgekauft wird oder nicht. Der Zustand des Akkus ist besonders wichtig.  Dessen Lebenszeit ist – auch wenn die Technik immer besser wird – begrenzt. Nur kennt noch niemand die genaue Lebensdauer.
Den Akkuzustand sollte man unbedingt vor dem Kauf prüfen lassen.  Man muss sich dabei aber auf  Werkstätten der Hersteller verlassen, die  Autofahrerclubs bieten bisher noch keine Tests an.  Prinzipiell gibt es  auch keine  gesetzliche Garantie, dass es für Fahrzeuge – egal welcher Technik  – über lange Zeit Ersatzteile oder passende Akkus geben muss. Wichtig sind auch die Arten der Ladestecker.

Beratung gibt es bei den großen Autofahrerclubs aber auch beim österreichischen Elektrofahrzeuge-Club. Sein Obmann Konrad Metz rät, dass technisch nicht versierte Menschen eher kein gebrauchtes Elektrofahrzeug kaufen sollen. Mehr unter http://club-e-fahrzeuge.at/