Chronik | Österreich
05.12.2018

Dieser Mann legt Taschendieben das Handwerk

Revierinspektor Mike Möstl hat den Dieben auf der Mariahilfer Straße den Kampf angesagt.

„Wir nennen ihn nur den ‚Mentalist‘. Er hat den sechsten Sinn für Langfinger“, sagt ein Kollege über Polizist Mike Möstl. Weihnachtsmärkte, überfüllte Geschäfte und Öffis sind in der Vorweihnachtszeit das Revier des Polizisten, der sich dem Kampf gegen Taschendiebe verschrieben hat – genau diese Plätze sind für die Kriminellen nämlich ein Eldorado. Der 38-jährige Revierinspektor ist ihnen auf der Mariahilfer Straße seit 2011 immer dicht auf den Fersen.

Manche wissen auch schon, wie ich aussehe. Vorige Woche konnten meine Kollegen und ich eine Frau festnehmen, die schon einige Monate in Österreich tätig war. Wir haben uns schon vom Sehen gekannt“

Mike Möstl
Sind zur Weihnachtszeit mehr Taschendiebe unterwegs?

40 Diebe geschnappt

Allein heuer hat er schon an die 40 Diebe erwischt. Seit er regelmäßig in zivil unterwegs ist, sind die Fälle von Taschendiebstahl dort stark zurückgegangen. „Natürlich wissen die Diebe schon, dass hier besonders intensiv kontrolliert wird. Manche wissen auch schon, wie ich aussehe. Vorige Woche konnten meine Kollegen und ich eine Frau festnehmen, die schon einige Monate in Österreich tätig war. Wir haben uns schon vom Sehen gekannt“, erzählt Möstl.

Weil er aber eben nicht erkannt werden will, verhält sich der Polizist im Einsatz besonders unauffällig. Das geht so weit, dass er oft von seinen eigenen Kollegen nicht erkannt wird. Seinen Dienst versieht der Taschendieb-Experte auf der Polizeiinspektion Stiftgasse in Wien-Neubau. Von dort aus hat er nur wenige Meter bis zu seinem Einsatzgebiet. In der Hektik der Vorweihnachtszeit würde ein Laie wohl kaum einen Taschendieb aus der Menge an Menschen erkennen. Möstl weiß aber genau, worauf er achten muss.

Die Tricks der Taschendiebe

„Taschendiebe verhalten sich anders, gehen immer ein bisschen schneller, weil sie ja quasi in der Arbeit sind. Außerdem fällt auf, dass diese Leute überhaupt nicht auf die Schaufenster achten, sondern gezielt auf Taschen und Rucksäcke schauen. So kann man sie herausfiltern“, sagt der Experte.

Alleine der Verdacht, dass es sich bei einer Person um einen Taschendieb handelt, reicht natürlich nicht aus, um einzuschreiten. Dafür muss der Polizist zumindest eine Vorbereitungshandlung beobachten. Um als Passant gegen Taschendiebe gewappnet zu sein, hat der Profi ein paar Tipps parat. „Am besten ist es, im Gedränge in der U-Bahn oder bei Weihnachtsmärkten die Handtasche immer vorm Körper zu tragen. Einige Diebe haben sich auch auf Personen spezialisiert, die vielleicht schon einen Punsch zu viel intus haben. Sie verfolgen ihre Opfer teilweise bis in die U-Bahn und warten, bis sie einschlafen.“