© Claudia Koglbauer

Chronik Österreich
02/23/2019

Klimaschützerin: Ein Jahr ohne Auto, Müll und Süßes

Die süße Seite des Weltverbesserns: Dorothea Kocsis verzichtete auf vieles, jetzt ist sie Zuckerbäckerin.

Wie schafft man es, ein Jahr lang jeweils ohne Auto am Land, ohne Restmüll und ohne weißen, raffinierten Zucker auszukommen? Für die meisten hört sich das wohl unvorstellbar an.

Nicht so für Dorothea Kocsis. „Ich war schon immer eine Querdenkerin“, sagt die 54-jährige gebürtige Oberösterreicherin. Gegen den Strom wolle sie schwimmen, auch wenn es unbequem sei. Dass sie dabei nicht untergeht, das hat die Wahlburgenländerin – sie lebt mit ihrer Familie in Unterpullendorf – schon des Öfteren bewiesen.

In einem nicht von öffentlichen Verkehrsmitteln hochfrequentierten Gebiet im Mittelburgenland und mit drei Kindern hat Kocsis unter anderem das Projekt „ein Jahr lang ohne Auto gewagt“– aus Protest gegen den Klimawandel. „Es war schon ein Abenteuer mit drei Kindern und samt Kinderwagen per Bus in die Musikschule zu fahren.“ Durchgezogen hat sie auch ihr Vorhaben, kaum Müll zu produzieren. Dass sie – so weit als möglich – Selbstversorgerin für ihre fünfköpfige Familie ist, habe ihr da geholfen. „Das Gemüse habe ich im Garten, Fleisch und Eier kommen von unseren Ziegen und Hühnern.“ Ihre Erfahrungen hat die Querdenkerin in Büchern niedergeschrieben (planetVerlag).

Vor Kurzem hat sie ihr neues Ziel erreicht: Kocsis darf sich nun auch Zuckerbäckermeisterin nennen. Sie hat zwei Hochschulstudien absolviert und Musik und Geschichte an der AHS unterrichtet. Vor drei Jahren habe sie sich dann entschlossen, etwas „ganz anderes zu machen“.

„Ich habe jetzt meinen Kindheitstraum verwirklicht.“ Backen sei schon immer ihre große Leidenschaft gewesen. Im Alter von 51 Jahren wollte sie das Handwerk des Zuckerbäckers professionell erlernen – „und zwar von der Pike auf“. Die Phase der Umschulung hatte auch einen bitteren Beigeschmack. Als Quereinsteigerin musste sie mehrmals pro Woche und auch an jedem zweiten Wochenende nach Graz in die Berufsschule pendeln. „Der Wermutstropfen war, dass ich 25.000 Kilometer mit dem Auto abspulen musste. Öffentlich wäre das nicht möglich gewesen.“

Hürde geschafft

Doch jetzt sei auch diese Hürde geschafft und Kocsis hat wieder ihr Jahresticket der ÖBB in der Tasche. Trotz allem, in die Steinzeit wolle man nicht zurückkehren, sagt Kocsis. Zwei Autos stehen für alle Fälle parat, die älteste Tochter macht gerade den L17-Führerschein.

Auch ihr Mann Andreas, er arbeitet als Cellist in der Wiener Volksoper, verzichte so oft als möglich auf das Auto. „Er fährt mit dem Fahrrad zum Bahnhof nach Deutschkreutz und abends zurück – eine Strecke sind rund 20 Kilometer.“ Und wenn es schneit, regnet oder es Minusgrade hat? „Auch dann.“

So leicht lasse man sich eben nicht unterkriegen. Deswegen startet sie mit 54 Jahren mit „Dorli’s Backstube“ neu durch. Hochzeitstorten hat sie ebenso im Angebot wie (Weihnachts-)Kekse. Ihr nächstes Projekt: Backwaren mit natürlicher Süße herstellen. Und: „Ich schreibe gerade an meinem neuen Buch und meiner Homepage.“

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