Chronik | Österreich
19.06.2018

Die Steirer pfeifen auf den Lithium-Schatz

Es geht um 425 Millionen Euro: Kärnten erhofft sich Arbeitsplätze, die Steiermark prüft rechtliche Schritte

Völlig unterschiedlich beurteilen die Länder Kärnten und Steiermark die Pläne eines australischen Unternehmens, im Grenzgebiet einen regelrechten Lithium-Schatz heben zu wollen: Kärnten jubelt, die Nachbarn hingegen wittern einen Haken an der Sache.

Die im australischen Mehrheitsbesitz stehende Gesellschaft „European Lithium“ hält seit 2011 die Eigentums- und Schürfrechte an den Lithium-Vorkommen auf der Koralpe im steirisch-kärntnerischen Grenzgebiet. „Es handelt sich um das größte Vorkommen Europas“, erklärt Dietrich Wanke, General Manager des Unternehmens. Man geht von 720.000 Tonnen lithiumhaltigen Gesteins aus, aus dem das Leichtmetall gewonnen werden kann. Momentan rechne man auf der Koralpe mit einem Lithium-Abbau über mindestens zehn Jahre.

Die Investitionssumme für den Bergwerksbetrieb und die Lithiumhydroxid-Gewinnungsanlage würde sich auf 425 Millionen Euro belaufen, sagt das Unternehmen. Es gebe Interessenten, die Akkufabriken und E-Auto-Werke errichten wollten. Von 1400 Arbeitsplätzen, die geschaffen werden könnten, ist die Rede.

UVP erforderlich

Da Kärnten einen Poker mit der Steiermark befürchtet, lud die Landesregierung am Dienstag die „European Lithium“ zur Projektpräsentation. Die SPÖ-ÖVP-Koalition sprach von einer „Chance für Kärnten und das strukturschwache Lavanttal“. Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) sagte, dass es detaillierte Informationen für die Bevölkerung, eine Feststellungsprüfung und eine Umweltverträglichkeitsprüfung geben müsse, versprach aber „rasche Abläufe“ bei den Genehmigungsverfahren.

St. Paul im Lavanttal sei als Standort Favorit. „Wir hätten ein 30-Hektar-Areal zur Verfügung und können einen Anschluss zur Koralmbahn bieten“, freut sich St. Pauls Bürgermeister Hermann Primus ( SPÖ).

„Kein Interesse“

Ganz andere Töne hört man aus der Steiermark. In der Landesregierung wird gemunkelt, dass die Lithium-Story einen gewaltigen Haken haben müsse. Offiziell hieß es aus dem Büro von LH Hermann Schützenhöfer ( ÖVP): „Wir haben von den Plänen gehört, aber derzeit kein Interesse. Ein E-Auto-Werk haben wir in Graz, eine Akkufabrik in Unterpremstätten – kein Bedarf.“

Die Stadtgemeinde Deutschlandsberg am Fuße der Koralpe geht einen Schritt weiter. „Wir holen rechtsfreundliche Meinungen den Lithium-Abbau betreffend ein. Unsere Trinkwasserquellen befinden sich in der Nähe der Stollen, eine sensible Angelegenheit“, erklärt Bürgermeister Josef Wallner (SPÖ). Im Zuge der Genehmigungsverfahren müssten die Behörden mit weitreichenden Einwänden rechnen.