Mehr als 2000 Mal rückten die Rettungshunde, ausgebildet von der IRO in Salzburg, alleine im Vorjahr aus.

© honorarfrei/IRO

Lebensretter
06/08/2015

Die Schule für Profi-Spürnasen

Weltweit werden Rettungshunde von der Internationalen Rettungshundeorganisation aus Salzburg ausgebildet.

von Elisabeth Zeilinger

Es war wohl einer der spektakulärsten Einsätze der Internationalen Rettungshundeorganisation (IRO) in jüngster Zeit: Bei der Suchaktion nach einer schweren Gasexplosion in der Wiener Mariahilfer Straße im April 2014 waren drei IRO-Hunde beteiligt. Zuerst entdeckte Labrador-Retriever Benji das 19-jährige Todesopfer unter den Trümmern. Kurz danach fand Riesenschnauzer Flint eine zweite vermisste Person unter dem Schutt des Hauses. Wie durch ein Wunder konnte die Frau nach acht Stunden lebend geborgen werden.

Mehr als 2000 Mal rückten die Rettungshunde, ausgebildet von der IRO in Salzburg, alleine im Vorjahr aus. Die IRO vertritt 116 Rettungshundeverbände aus 41 Ländern.

Hundeführer Markus Bock, der seinerzeit in Wien mit Benji im Trümmerkegel nach den Vermissten suchte, weiß, wie wichtig es ist, dass sich Mensch und Tier bei Rettungseinsätzen blind verstehen müssen: "Beide riskieren bei Einsätzen wie diesen ihre eigene Gesundheit. Doch wenn es darum geht, Leben zu retten, dann kommt es auf schnelle und professionelle Hilfe an".

Die Ausbildung zum Rettungshund durchläuft Benji schon von klein auf. Nach IRO-Standards wird immer wieder trainiert und das lebenslang, sagt Bock.

Wie ein Spiel

Was für den Mensch eine oft harte Aufgabe sei, funktioniere für den Hund wie ein Spiel, erklärt IRO-Präsident Michael Persteiner. Schon als Welpen lernen die Hunde spielerisch, dass es nicht nur Wiesen gibt, sondern dass man auch schon mal hinauf oder hinunter steigen muss – so werden sie auf verschiedene Untergründe vorbereitet.

Sensibilisiert werde der Hund auch darauf, seinen scharfen Geruchssinn für den Menschen einzusetzen. So werde etwa trainiert, eine Person aufzuspüren, die sich zum Beispiel in einer stinkenden Mülltonne versteckt. "Für den Hund ist das keine Arbeit, sondern ein großes Spiel. Er wird von klein auf an ein spezielles Spielzeug gewöhnt. Im Training verstecken sich die Versteckpersonen mit dem Spielzeug. Für den Hund geht es also nicht um den Versteckten, sondern darum, das Spielzeug zu finden", sagt Persteiner.

Belohnung

Irgendwann verknüpfe der Hund die Witterung des Menschen mit seinem Spielzeug und mit Belohnung. Die bekommt das Tier auch bei einem Rettungseinsatz nach getaner Arbeit.

Prinzipiell bringe jede Hunderasse die Voraussetzungen für einen Rettungshund mit – sie sollten nur nicht zu groß oder zu klein sein und zudem einen ausgeprägten Spieltrieb mitbringen, schildert Experte Persteiner.

Auch nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal im April standen Hunde im Einsatz, die nach IRO-Standards ausgebildet wurden. Sieben Rettungshunde der deutschen Rettungshundestaffel I.S.A.R. suchten im Katastrophengebiet nach Überlebenden.

Dabei müssen die Hunde Lebende von Toten unterscheiden. "Zwar reagieren ausgebildete Spürhunde auf Leichen. Sie zeigen aber ein anderes Verhalten, winslen, ziehen den Schwanz ein. Die Hundeführer können ihren Hund dann genau lesen und wissen: Da liegt jetzt ein lebender Mensch oder ein toter Mensch", sagt Persteiner und betont: "Unsere Spürhunde sind jedoch für die Rettung von Überlebenden ausgebildet, nicht für die Bergung von Toten."

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