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Chronik Österreich
07/02/2019

Die Parlamentsdirektion zieht an den Stubenring

Wiens Wirtschaftskammer vermietet ihre Ex-Zentrale. Den Ärger um den neuen Standort versteht man nicht.

von Christoph Schwarz

112 Jahre lang hatte die Wiener Wirtschaftskammer ihren Hauptsitz am Stubenring – bevor sie diesen (und neun weitere) Standorte im Frühjahr verließ, um alle im neuen Haus der Wiener Wirtschaft am Praterstern zusammenzuziehen. Jetzt hat die Kammer einen Mieter für das historische Gebäude am Stubenring gefunden: Seit Anfang des Monats logiert die Parlamentsdirektion dort mit rund 250 Mitarbeitern, während ihre Büros in der Reichratsstraße saniert werden.

Die Übersiedlung der mehr als 700 Kammer-Angestellten ins Haus der Wiener Wirtschaft in der Leopoldstadt selbst sorgte (und sorgt) für Aufregung: Nicht alle Mitarbeiter waren begeistert. Mittlerweile sei die Zufriedenheit aber hoch, heißt es. Auch finanziell sei der Umzug ein Erfolg, sagt Wirtschaftskammer-Chef Walter Ruck. Die Kammer spare jährlich mindestens 12 Millionen Euro. Früher habe man auf 37.000 Quadratmetern gearbeitet – jetzt sind es 22.000. Alleine bei die Heizkosten, heißt es, bringe das Einsparungen von 800.000 Euro im Jahr. Dazu komme auch noch eine Strukturreform.

Rund um den Immobilien-Deal gab es jedoch Verstimmung: Die Kammer gab in einem Paket zwei ihrer Gebäude – das Gewerbehaus am Rudolf Sallinger Platz und das Palais Festetics – an das Immobilienunternehmen Signa ab und erwarb von der Signa das neue Haus in einem Paket.

Verkauft hat die Kammer das Gewerbehaus um rund 17 Millionen Euro, das Palais Festetics um 18 Millionen Euro. Wenig später wurde das Festetics ohne Aufschlag an Investor Klemens Hallmann

weiterverkauft, das Gewerbehaus aber mit einem Aufschlag von vier bis fünf Millionen Euro, berichten vertraute Kreise. Das Gewerbehaus wurde noch am selben Tag von Hallmann an einen anderen Immobilienentwickler weitergegeben, der das Gebäude noch einmal an sich selbst verkaufte. Am Ende stand plötzlich ein „Einkaufspreis“ von 7.000 Euro pro Quadratmeter für das sanierungsbedürftige Gebäude.

Der Vorwurf an die Kammer: Sie habe zu billig verkauft. „Stimmt nicht“, sagt Ruck. „Wir haben alle drei Gebäude auf Basis von mehreren Gutachten zum Verkehrswert ver- und gekauft. Das wir in Summe eine optimale Vorgangsweise.“

Übrigens: Das Nebengebäude des Hauses der Wiener Wirtschaft wurde kürzlich auch verkauft. Der Quadratmeter-Preis lag um 800 Euro über jenem, den die Kammer bezahlt hat. Das verleitet dort zu einem Rechenbeispiel: Die Kammer hätte für ihre neue Zentrale zu diesen Konditionen 20 Millionen Euro mehr auf den Tisch legen hätte müssen, rechnet man vor. Ziehe man die fünf Millionen Euro ab, die Signa dem Vernehmen nach am Gewerbehaus verdient hat, bliebe am Ende ein Gewinn von 15 Millionen für die Kammer.