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Chronik Österreich
12/05/2011

Die Formel, die unsere Zukunft ruiniert

Über Bildung wird viel geredet, aber Reformen werden weiter blockiert.

von Helmut Brandstätter

Wer das Wort Bildung googelt, bekommt 108 Millionen Antworten, und das in nur 0,17 Sekunden. Wer von dieser Bundesregierung Bildungsreformen erwartet, erhält genau so viele Ausreden. Nur dauern diese viel länger, seit Jahrzehnten eigentlich. Egal, ob es um den Kindergarten, die Schule oder Universitäten geht. Die Formel, nach der jede Verbesserung abgedreht wird, lautet ungefähr so: Beamtendienstrecht mal Parteibuch dividiert durch ideologischen Müll hoch Geldmangel.

Mit einer Bildungsserie hat der KURIER in den letzten Wochen die wesentlichen Stufen der Bildung, von den ersten Eindrücken eines Babys bis zum Seniorenstudium, beleuchtet. Es fehlt gewiss nicht an Fachleuten, es fehlt auch nicht an den nötigen Erkenntnissen oder gutem Willen. Und trotzdem führen wir seit vielen Jahrzehnten dieselben sinnentleerten Debatten, stets ideologisch und rückwärts gewandt, dominiert von Gruppeninteressen, Verwaltungsinstitutionen und Parteipolitik.

Es ist ja interessant, dass die Kindergartenpädagogik erst in jüngster Zeit Aufmerksamkeit erhält. Dort war alles lange Zeit geregelt. Die Eltern mussten zahlen, die Länder hatten die Macht, die Kindergärtnerinnen verfügten über keine Lobby. Aber gerade die Kindergärten haben sich in den letzten Jahrzehnten am ehesten weiterentwickelt. Waren sie früher eher noch reine Aufenthaltsorte für Vorschulkinder, sind sie heute überwiegend pädagogisch wertvolle Institutionen. Dass bei Ausbildung und Bezahlung noch immer große Mängel herrschen, wird jetzt endlich beachtet.

Ideologie

Die Schulen sind der bedeutendste Kampfplatz für ideologische Kriege, bei denen vor allem die beiden Regierungsparteien uralt aussehen. Wer heute noch über Gesamtschule streitet, beweist damit, dass es nie um Schüler und Ausbildung ging, sondern immer nur um die Bestätigung für gesellschaftspolitische Muster. Natürlich ist es falsch, dass mit 10 Jahren ein Bildungsweg einzementiert wird, und es ist ebenso falsch, alle Kinder gleich zu behandeln. Wir brauchen ein flexibles Schulsystem mit hoher Förderung der individuellen Begabungen. Wie so eine Schule dann heißt, ist völlig gleichgültig.

Und die Universitäten müssen den Zugang sehr schnell regeln. Das System der berufsbildenden Fachhochschulen hat sich weitgehend bewährt. Also gehören diese noch stärker dafür ausgerüstet, während die Universitäten der wissenschaftlichen Lehre und Forschung verpflichtet sein müssen. Dass man für die eine Einrichtung zahlen muss, für die andere aber nicht, ist völlig absurd. Ein ordentliches Stipendiensystem wird nicht einmal unsere Politik überfordern.

Rektor Badelt hat im KURIER-Interview völlig richtig gesagt, dass SPÖ und ÖVP wissen, dass ihre festgefahrenen Positionen nicht haltbar sind. Also sollen sie die gemeinsame Schule mit Förderprogrammen einführen, dazu den Uni-Zugang regeln und Studiengebühren beschließen. Oder schnell abdanken.

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