Die Drogenschwemme aus dem Internet

Eine Tonne Drogen sichergestellt © Bild: EPA/ALEXANDER HEINL

Zehn Prozent mehr Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz. Kauf und Verkauf aus dem Wohnzimmer via Darknet.

Am Mittwoch stürmte die Polizei die Wohnung einer 22-jährigen Frau in Oberösterreich. Sie war offensichtlich im Begriff, einen Drogenshop im Internet aufzubauen. Es gab bereits Vorbereitungen zum Aufbau einer Indoor-Cannabis-Plantage, auch Amphetamin hatte sie bereits aus den Niederlanden bestellt. Deswegen flog sie relativ früh auf.

"Es ist mittlerweile so, dass wir Personen im Darknet sogar leichter finden als beim Straßenhandel. Wer heute per Mausklick etwas bestellt und dann geliefert bekommt, muss definitiv mit einem Besuch der Polizei rechnen", sagt Dieter Csefan, Österreichs höchstrangiger Drogenfahnder. Das Problem ist, dass die Drogen im Darknet leicht erhältlich sind. Zwei Minuten Youtube schauen und dann weiß jeder Interessierte, wie man an Ecstasy oder Heroin bekommt.

Größere Mengen

"Das Bestellen von zuhause aus dem Wohzimmer ist aber keine Privatsache", betont Konrad Kogler, Generaldirektor für Öffentliche Sicherheit. "Das ist kein Kavaliersdelikt." Viele bestellen auch gleich größere Mengen. "Auf der Straße kauft man Stoff für ein paar Joints, im Internet sorgen diejenigen dann gleich mit 50 Gramm vor", berichtet Csefan. Damit gerate man aber vom Vergehen in den kriminellen Bereich, warnt der Leiter des Suchtgiftreferats im Bundeskriminalamt.

Seit 2008 hat sich deshalb die Zahl der Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz von rund 20.000 auf 36.200 beinahe verdoppelt. Wobei die Fahnder eigentlich heuer mit einem weit höheren Plus gerechnet hatten. Denn im ersten Halbjahr gab es eine Gesetzeslücke beim Straßenhandel. Drogendealer konnten nur in U-Haft genommen werden, wenn Gewerbsmäßigkeit vorliegt.

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grafik © Bild: /Grafik
"Manche haben wir acht Mal an einem Tag eingesperrt", berichtet ein Kriminalist. Da es sich bei diesen Straßenhändlern vorwiegend um Asylwerber handelt, die nicht arbeiten dürfen und deshalb in den illegalen Drogenverkauf einsteigen, stieg der Ausländeranteil bei den Drogendelikten erstmals auf über 50 Prozent. Der Hintergrund ist allerdings, dass acht Festnahmen auch acht Mal in der Bilanz zählen. Da sich die meisten Afrikaner bei der Festnahme jünger machen, um nach dme Jugendstrafrecht behandelt zu werden, steigt vor allem auch die Zahl der Anzeigen gegen Jugendliche.

"Kontrolldelikte"

Im zweiten Halbjahr wurde das Gesetz verschärft und es gab laufende Großaktionen der Polizei. Auch in der Landespolizeidirektion in Wien wird betont, dass Drogenvergehen vor allem "Kontrolldelikte" sind – also je mehr kontrolliert, desto mehr Personen werden auch erwischt.

Ob insgesamt mehr Drogen im Umlauf sind, darüber ist man sich nicht einmal innerhalb der Exekutive derzeit ganz einig. Fest steht, dass die Polizei durch die abgefangenen Bestellungen aus dem Darknet nun bessere Hinweise bekommt, wo sich gerade im ländlichen Raum und in kleineren Städten eine Drogenszene bildet.

Sobotka: "Beachtliches Volumen"

Innenminister Wolfgang Sobotka kündigte bei der Präsentation des Berichts weitere Schwerpunktaktionen gegen den Straßenhandel ab: "Wir wollen die Szene aus den Parkanlagen wegbekommen", sagte Sobotka. Er sprach von einem "beachtlichen Deliktsvolumen" bei der Drogenkriminalität. Deshalb habe es zuletzt schon Schwerpunkte etwa in Linz, Graz und Innsbruck gegeben.

( kurier.at ) Erstellt am 20.07.2017