Chronik | Österreich
06.07.2018

Der KURIER auf Kontrollgang mit der Baupolizei

Bei den Häusern stehen die Bagger seit dem Wochenende still. Der KURIER war mit der MA 37 in der Donaustadt.

Das Dach des Jugendstil-Gebäudes in der Donaufelder Straße 193 ist zur Hälfte abgedeckt, die Rückseite teilweise abgerissen. Einzig an der Fassade ist der Prunk der Baukunst aus dem Jahr 1913 noch zu erkennen – und das dürfte die Rettung für das Gründerzeithaus bedeuten.

Als der KURIER am Donnerstagmorgen mit der Baupolizei an der Adresse vorbeischaut, ist die Baustelle verlassen. „Die Arbeiten mussten am Montag eingestellt werden. Man sieht hier noch eindrucksvoll die Fassade. Es ist gut möglich, dass die MA 19 sie für erhaltenswert erklärt und der Totalabriss dadurch verhindert wird“, sagt Bernhard Gutternigh, der stellvertretende Leiter der Baupolizei. Die Adresse des Gebäudes zeigt, dass sich die Problematik nicht nur auf die inneren Bezirke Wiens bezieht. In der Donaustadt steht das eindrucksvolle Haus neben modernen Wohn-Anlagen und sticht dadurch besonders hervor.

Protest der Firmen

Insgesamt mussten 70 Abbruch-Unternehmen ihre Arbeit seit Inkrafttreten der neuen Bauordnung einstellen. Meistens passierte das unter Protest: „Es wurde sehr oft argumentiert, dass Gefahr in Verzug wäre, würde man die Bauarbeiten einfach stoppen. Wir haben dann veranlasst, dass Sicherungsmaßnahmen getroffen werden, die Abbruch-Arbeiten aber enden müssen“, sagt Gutternigh.

Die neue Bauordnung sollte ursprünglich erst ab Herbst gelten. Weil die Stadt aber fürchtete, dass bis dahin viele Hauseigentümer Altbauten abreißen würden, zog man den entsprechenden Teil der Novelle vor. Nun braucht es Bewilligungen für Abbrüche, die schwer zu bekommen sind. Als Immo-Spekulanten davon erfuhren, starteten plötzlich spontan die Abbrüche.

Gründerzeithäuser sollten anscheinend weg, um sie durch viel lukrativere Luxusimmobilien zu ersetzen. Da war es Immo-Spekulanten teilweise auch egal, dass noch Menschen in den Häusern lebten. Die Abbruch-Arbeiten wurden trotzdem gestartet. Diese Rechnung mit dem schnellen Abriss könnte für die Bauherren aber nicht aufgehen. „Die Häuser müssen bis zum Ende der Überprüfung durch die MA 19 erhalten bleiben. Das bedeutet, dass beispielsweise das Dach wieder so instand gesetzt werden muss, dass es nicht hineinregnet und dadurch die Substanz geschädigt werden könnte. Wir überprüfen das laufend“, sagt Gutternigh. Wie lange es dauert, bis die MA 19 alle Häuser bewertet hat, ist noch völlig offen. Gibt es für die Bauherren keine Bewilligung für den Abbruch, können sie rechtlich dagegen vorgehen, was die Bauarbeiten noch länger verzögern würde.

Bis dahin ist die Baupolizei täglich mit einem Team von 20 Leuten für Kontrollen unterwegs. Leben noch Mieter in den Gebäuden, wird sogar mehrmals täglich vorbeigeschaut. Die Mieter sind für die zuständige Stadträtin Kathrin Gaal bei dem neuen Gesetz ebenso im Vordergrund, wie die Erhaltung des Stadtbildes. „In Verbindung mit dem Mietrecht haben wir ein wichtiges, präventives Instrument geschaffen gegen Spekulation und vor allem zum Schutz aller Mieter in Altbauten.“