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Chronik Österreich
03/14/2020

Coronavirus: Laudamotion stellt Betrieb fast völlig ein

Zahl der Flugverbote steigt, viele Airlines schalten in den Krisenmodus. Erste Fluglinien bleiben ganz am Boden.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Am Samstag überschlugen sich die Hiobsbotschaften für die Fluglinien. Immer mehr Staaten erließen Flugverbote für Landungen aus gewissen Staaten, ein Dominoeffekt war die Folge. Die USA weiteten das Flugverbot aus Europa nun auch auf Irland und Großbrittanien aus. Südamerika (mit Ausnahme Brasiliens) erließ umfangreiche Landeverbote für Flüge aus Europa, sogar Maschinen, die schon in der Luft waren, mussten umdrehen.

Am Abend verlautbarte Laudamotion sogar, dass nur mehr vier Destinationen von Wien angeflogen werden - und diese auch nur am Wochenende: "Aufgrund der Zunahme von COVID 19 wird Lauda bis zum 31 März 2020 Wochenenddienste von Wien nach London, Dublin, Brüssel und Stuttgart betreiben. Alle weiteren Lauda-Flüge werden ab Montag ausgesetzt bis 31 März".

Weitere werden folgen

Ab Dienstag wird auch Frankreich, die Schweiz und Spanien nicht mehr aus Österreich angeflogen. Nur Australien und Afrika schotten sich bisher noch nicht ab, zur Überraschung vieler Beobachter. Doch noch ist nicht klar, wie viele Dominosteine noch folgen werden. Bereits am Samstag kündigten erste Fluglinien (etwa AirBaltic) an, komplett den Betrieb einzustellen.

In Fachmagazinen werden bereits erste Befürchtungen laut, es könnte de facto ein Grounding in Europa oder sogar weltweit geben. Zuständig dafür wäre die internationale Luftfahrtbehörde ICAO der Vereinten Nationen.

Die Krise betrifft längst nicht mehr nur die kleinen Fluglinien wie Nowegian, sonder auch die großen Player. "Das Überleben von British Airways", schrieb der Chef der Fluggesellschaft, Alex Cruz, bereits am Freitag laut Aero-Telegraph über sein Memo an die Angestellten. Die Corona-Krise sei schlimmer als die SARS-Krise und die Krise nach den Terroranschlägen zu 9/11. Man müsse Routen stilllegen und Flugzeuge parken, wie man das noch nie habe tun müssen, teilte Cruz den British-Airways-Mitarbeitern mit.

Starke Rückgänge

Zu Beginn der Coronakrise ging man optimistischerweise noch von Rückgängen bei den Passagierzahlen von rund 30 % aus, Mitte der Woche wurde dies auf 50 % erhöht. Selbst die Lufthansa, eine der stabilsten Airlines, suchte mittlerweile um staatliche Hilfe an. Allein die Lufthansa reduzierte ihre Flüge bereits um 70 %. Mit diesem Rückgang rechnet derzeit etwa auch der Flughafen Frankfurt für die kommenden drei Monate.

Zuletzt waren sogar einige Geisterflüge unterwegs: Die Jets hoben ohne Passagiere ab, nur um Start- und Landerechte nicht zu verlieren. Kein Wunder, nicht einmal mehr Geschäftsreisende buchten Flüge. Viele Österreicher, die derzeit im fernen Ausland ( von Südafrika bis Australien) sind, brachen ihren Urlaub ab, um rechtzeitig zurückzukehren. Doch nicht alle wollte das tun. Kommt es tatsächlich zu einem gröberen Shutdown könnten viele Österreicher für Wochen im Ausland festsitzen.

Die Lufthansa prüft jedenfalls aktuell, ob sie Passagiermaschinen als Frachtflieger einsetzen kann.