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Chronik Österreich
05/16/2020

Coronavirus in Verteilerzentren der Post: Bundesheer im Einsatz

In Hagenbrunn grassiert Covid-19. 79 Mitarbeiter sind krank. Das Gesundheitsministerium ist noch nicht besorgt.

von Johannes Weichhart, Christian Böhmer

Dick eingemummt in grüne Schutzanzüge rückten am Freitag Spezialisten des Bundesheeres zum Post-Verteilerzentrum nach Hagenbrunn in Niederösterreich aus.

Ihr Auftrag: Die Dekontamination, also Entseuchung, des gesamten Gebäudes.

Der Grund: Bei Testungen der mehr als 300 Mitarbeiter hatte sich herausgestellt, dass sich mindestens 79 Personen mit dem Coronavirus angesteckt haben.

Konnex zu Flüchtlingsheim

Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) bestätigte am Samstag, dass es bei  den Erkrankungen einen Konnex zu einem Flüchtlingsheim in Wien-Erdberg gibt. Erdberg sei aber höchstwahrscheinlich nicht der Ursprung der Infektionskette. „Dass wir dort als erstes fündig geworden sind, ist reiner Zufall. Wo der rote Faden beginnt, wissen wir nicht. Aber fast alle neuen Fälle in Wien hängen an diesem roten Faden und wir wollen ihn in seiner gesamten Länge erkennen und analysieren.“

Auch aus dem zweiten Logistik-Zentrum der Post, jenem in Inzersdorf, gibt es keine erfreulichen Nachrichten. Hier sollen ebenfalls rund 30 Personen auf COVID-19 positiv getestet worden sein. Ob die Armee auch in Inzersdorf zu Hilfe gerufen wird, ist noch unklar.

Laut Markus Leitgeb, dem Pressesprecher der Post AG, war bei den Tests in beiden Verteilzentren auffällig, dass sich auffallend viele Infizierte ohne Symptome fanden.

Maßnahmenkonzept

Für Hagenbrunn hat die Bezirkshauptmannschaft Korneuburg mittlerweile ein Maßnahmenkonzept erstellt. Ein Amtsarzt hat die Hygienemaßnahmen im Verteilzentrum in dieser Woche begleitet.

Schichtbetrieb

Das Bundesheer kümmert sich in Hagenbrunn aber nicht nur um die großflächigen Desinfektionsmaßnahmen, die Soldaten werden ab Montag auch den verbliebenen Post-Mitarbeiter unter die Arme greifen.

„Bis zu 250 Soldaten werden bei dieser Unterstützungsleistung, die von der Post bezahlt wird, mithelfen“, berichtet Heeressprecher Michael Bauer. Gearbeitet wird im Schichtbetrieb, der Einsatz wird voraussichtlich bis Ende Mai dauern.

Damit soll der Betrieb im Verteilerzentrum sichergestellt werden.

Seitens der Post betont man, dass schon mit dem Beginn der Corona-Krise zahlreiche Maßnahmen für die Mitarbeiter beschlossen und umgesetzt wurden – so etwa der Nasen- und Mundschutz und das Arbeiten mit Handschuhen. Außerdem gab es an beiden Standorten eine Informationskampagne „Wie verhalte ich mich richtig“.

Die Probleme mit dem Coronavirus bekommen derzeit auch die Kunden zu spüren: Denn zusätzlich zur Häufung der Infektionen gibt es seit acht Wochen ein Paketaufkommen wie sonst nur in der Vorweihnachtszeit. „Es kann momentan länger dauern“, sagte Leitgeb.

Mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen hofft die Post, die Anlieferungszeiten bis 22. Mai wieder zu normalisieren.

Keine Infektionsgefahr

Nach Angaben der Post besteht keine Infektionsgefahr durch Briefe oder Pakete, die bisher aus dem Verteilerzentrum Hagenbrunn zugestellt wurden; die Weltgesundheitsorganisation WHO habe das klargestellt. Die Post habe zudem schon zu Beginn der Krise kontaktlose Zustellungen eingeführt, so Leitgeb.

Logistik-Zentren sind naturgemäß ein potenzieller Hotspot für Infektionen. Auch im bundesdeutschen Hückelhoven musste am Samstag ein Paketzusteller ein Paket-Zentrum schließen, weil Dutzende Mitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet worden sind.

Im Gesundheitsministerium beobachtet man die Situation noch nicht mit Sorge. Die Zahl der Neu-Infektionen sei sowohl in Wien wie auch in Niederösterreich stabil und im Rahmen.

Zur Situation in den Logistik-Zentren sagte eine Sprecherin von Gesundheitsminister Rudolf Anschober, man beobachte die Situation aufmerksam. Aber die „betroffenen Landesbehörden“ würden „sehr professionell“ agieren.