Razzia in GESCHÄFT MIT ATEMSCHUTZMASKEN

© Weichhart Johannes

Chronik Österreich
08/11/2021

Corona: Saftige Betrugsanklage gegen Maskenshop-Betreiber

Brüderpaar soll das große Geschäft gewittert und minderwertige Masken zu überhöhten Preisen verkauft haben. Das Duo will derzeit keine Stellungnahme abgeben.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Sie witterten das ganz große Geschäft. Zu Beginn der Corona-Krise, im Frühjahr 2020, soll das Brüderpaar Mahmoud und Mohamed E., das ursprünglich mit Handy-Zubehör handelte, zwei Geschäfte für Anti-Corona-Masken in der Mariahilfer Straße und der Kärntner Straße in Wien eröffnet haben. Dazu kam auch noch ein Onlineshop unter der Internetadresse www.atemschutzmaske.at. Das Geschäft brummte ordentlich, die Kunden rissen den Betreibern die FFP2- und FFP3-Masken regelrecht aus der Hand, weil diese Masken anderswo zum Teil vergriffen waren.

Doch ein Großteil der Masken soll am Ende nicht den Qualitätskriterien entsprochen haben, die vom Gesetzgeber verlangt werden.

Anfang Juni 2020 schob die Polizei den dubiosen Geschäften einen Riegel vor, auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Wien wurden Hausdurchsuchungen in den Masken-Shops durchgeführt.

Jetzt liegt die Anklageschrift gegen das Brüderpaar vor – auch dem KURIER. Staatsanwältin Irene Jelinek wirft dem Duo schweren gewerbsmäßigen Betrug und vorsätzliche Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten vor. Die Brüder sollen „überwiegend nicht zertifizierte oder auch abgelaufene Mund-Nasenschutz-Masken zu überhöhten Preisen verkauft und sich dadurch unrechtmäßig bereichert haben“.

„Das Gutachten des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen, in dem 15 Typen der bei der Razzia sichergestellten Atemschutzmasken einer Untersuchung unterzogen wurden, ergab, dass von den 15 Maskentypen lediglich bei zwei Typen eine gültige CE-Kennzeichnung festgestellt werden konnte“, heißt es in der Anklage. Eine CE-Kennzeichnung sagt aus, dass „das Produkt allen geltenden EU-Vorschriften entspricht“.

Die Brüder sollen nicht nur Masken minderer Qualität verkauft haben, sondern auch solche, die schon zehn Jahre abgelaufen waren. Eine Gruppenpraxis von HNO-Ärzten, das Pflege- und Betreuungszentrum Vösendorf, das Seniorenzentrum Linz, die Caritas der Diözese Graz-Seckau und eine Wiener Apotheke kauften „echte“ Masken, die aber „bereits 2010 abgelaufen waren“.

Die Masken wurden mutmaßlich zum Einzelpreis zwischen 12,90 bis 16,80 Euro verscherbelt, obwohl der „damalige Marktwert“ laut Anklage nur 6,40 Euro pro Stück betrug.

Je kleiner die Stückzahl, desto höher war der Preis. So zahlte eine Dame für eine einzelne FFP3-Maske 39,90 Euro. Die Anklage listet rund 20 geschädigte Kunden auf, die als Zeugen vor Gericht aussagen sollen.

„Überdies schufen die Angeklagten durch den Verkauf von Atemschutzmasken ohne ausreichende Filterleistung eine potenzielle Gefährdungssituation für die Tragenden“, heißt es in der Anklage weiter. Die Brüder sollen deren mögliche Corona-Infektion in Kauf genommen haben.

Kein Kommentar

Mahmoud E. wird von Verteidiger Klaus Ainedter vertreten, sein Bruder Mohamed von Anwältin Daniela Leitner. Ainedter sagt lediglich: „Mein Mandant möchte derzeit keine Stellungnahme abgeben.“ Er hat auch bisher vor den Ermittlungsbehörden keine Aussage gemacht.

Auch sein Bruder schweigt zurzeit. Laut Anklage will er mit dem Maskengeschäft nichts zu tun gehabt haben. Er sei nur Angestellter des Handyshops gewesen.

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