Österreicher sehen Coronavirus immer gelassener

Österreicher sehen Coronavirus immer gelassener
Gallup-Umfrage: 45 Prozent halten die Gefahr für übertrieben. Nur noch zwei Drittel sind bereit, Einschränkungen in Kauf zu nehmen.

Trotz hoher Infektionszahlen ist die Sorge der Menschen in Österreich vor einer Infektion mit dem Coronavirus in der Omikron-Welle gesunken. Und gleichzeitig sinkt auch die Bereitschaft, zur Bekämpfung der Pandemie Einschränkungen hinzunehmen. Das zeigt die aktuelle Runde des vom Gallup-Institut durchgeführten "Corona-Stimmungsbarometers". Darin gab fast die Hälfte der Befragten an, die vom Coronavirus ausgehende Gefahr für übertrieben zu halten.

Das Gallup-Institut hat noch vor dem ersten Lockdown im März 2020 damit begonnen, ein regelmäßiges Stimmungsbild der Bevölkerung über die Coronakrise zu erheben. Damals zeigte sich der Großteil der Menschen in Österreich noch recht gelassen: 53 Prozent stimmten der Aussage zu, "dass die Gefahr, die vom Coronavirus ausgeht, übertrieben wird". Schon Ende März/Anfang April - mit dem Höhepunkt der ersten Coronawelle - schrumpfte dieser Wert aber auf nur noch 20 Prozent zusammen. Umgekehrt bekundeten damals bis zu drei Viertel der Menschen, Angst vor Ansteckung für sich selbst oder ein Familienmitglied zu haben. Und bis zu 95 Prozent erklärten sich damals bereit, einige Freiheitsrechte vorübergehend aufgeben zu wollen, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Bereitschaft zu Einschränkungen gesunken

Seither ist sowohl die Angst vor Infektion als auch die Bereitschaft zu Einschränkungen deutlich gesunken. Bei der jüngsten Befragungswelle im Februar gaben schon 45 Prozent an, dass sie die Gefahr für übertrieben halten. Umgekehrt bekundeten 46 Prozent Angst vor Ansteckung. Erstmals seit fast zwei Jahren hielten sich beide Gruppen damit in etwa die Waage. Bis dahin hatte die Angst vor Infektion stets überwogen.

Andrea Fronaschütz vom Gallup Institut führt die Entwicklung gegenüber der APA auf eine Kombination aus den zwar hohen Infektionszahlen, der gleichzeitig aber als nicht dramatisch kommunizierten Situation in den Krankenhäusern zurück. Auffällig ist für sie, wie schnell das zu Beginn der Pandemie hohe Grundvertrauen in die Politik wieder verspielt wurde: Während Ende März 2020 über 90 Prozent der Menschen in Österreich dem Pandemiemanagement der Regierung vertrauten, waren es im November 2021 nur noch 23 Prozent. Zuletzt ist das Vertrauen wieder gestiegen. Im Februar gaben 37 Prozent an, "dass die österreichische Regierung mit dem Coronavirus richtig umgeht". Im vorigen Oktober waren es immerhin noch 42 Prozent.

Die Bereitschaft, zur Eindämmung der Pandemie vorübergehend auf Freiheitsrechte zu verzichten, ist aber auf einem Tiefststand. Nur noch 67 Prozent wollen dafür Einschränkungen in Kauf nehmen. Zum Vergleich: Im März 2020 waren es fast 95 Prozent. Dass immerhin noch zwei Drittel der Befragten zu Einschränkungen bereit sind, führt Fronaschütz auf die "Lernkurve" im Verlauf der Pandemie zurück: "Wir haben gelernt, dass bestimmte Maßnahmen Wirkung zeigen - etwa Maske tragen und Abstand halten."

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