Bundeselternverband: „Zentralmatura ist Experiment an Schülern“

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Bundeselternverband kritisiert das derzeitige System und will sich bei der Evaluierung einbringen.

Fast jeder fünfte Schüler wird laut ersten Hochrechnungen des Bildungsministeriums dieses Jahr ein Nicht genügend bei der schriftlichen Mathematik-Zentralmatura haben. Dieses Ergebnis hat auch den Bundeselternverband auf den Plan gerufen. Dieser nennt die Zentralmatura in einer Aussendung am Sonntag ein „Experiment an Schülern“.

Der Elternverband habe auch Rückmeldungen von einzelnen Schulstandorten, dass die Noten Sehr gut bis Befriedigend „erheblich unterrepräsentiert sind, ja zum Teil gänzlich fehlen“. Maturaaufgaben und Unterrichten müssten sich auseinander entwickelt haben. Denn: „Wie kann es sein, dass Schüler – und das sind keine Einzelfälle – in der gesamten Oberstufe ausschließlich Sehr gut und Gut haben und dann bei der Matura extrem schlecht abschneiden?“, heißt es in der Aussendung.

Gernot Schreyer, Präsident des Bundeselternverbandes, sagt: „Wir erleben jedes Jahr ein großes Experiment mit sehr negativen Konsequenzen für die Schüler – zum Teil werden Aufnahmen an weiterführenden Bildungseinrichtungen unmöglich.“ Eltern hätten immer mehr den Eindruck, dass das System und seine Durchführung wesentlich wichtiger seien, als Schüler zu einem positiven Abschluss zu führen.

PK "FÜHRUNGSWECHSEL IM BUNDESELTERNVERBAND": SCHREYER
Gernot Schreyer, Präsident des Bundeselternverbandes © Bild: APA/HELMUT FOHRINGER

Sofortmaßnahmen

Das Bildungsministerium hatte am Freitag Sofortmaßnahmen für die Kompensationsprüfungen am 5. und 6. Juni angekündigt – ein Rundschreiben an die Schulleiter (darin wird ersucht, die Kandidaten bei der Suche nach Übungsaufgaben zu unterstützen) sowie mehr Aufgaben zur Vorbereitung auf der Internetseite www.srdp.at. Die Seite wurde laut Bildungsministerium am Wochenende bereits stark frequentiert. Sie soll nun noch nachjustiert werden, damit sie übersichtlicher wird. Als Maßnahme hatte das Bildungsministerium auch überlegt, beim Notenschlüssel der schriftlichen Matura nachzubessern, hatte sich dann aber dagegen entschieden. Mit dem Elternverband wurde das aber nicht abgesprochen.

Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) hatte jedoch eine Evaluierung der Zentralmatura angekündigt. Dies war für dieses Jahr eigentlich noch nicht geplant, wird aber laut Ministerium nun vorgezogen. Der Elternverband begrüßt diese Entscheidung und plädiert dafür, ein Einbringen der Erfahrungen der Eltern zu ermöglichen.

( kurier.at , rieg ) Erstellt am 28.05.2018