Chronik | Österreich
03.08.2017

Big Brother schaut im Freibad zu

Datenschützer kritisieren Webcam-Bilder aus Bädern im Internet.

Entspannt liegen die Gäste auf der Wiese, flanieren am Becken vorbei. Wer will, kann das Treiben via Webcam-Fotos von daheim am Computer verfolgen. Nicht nur aktuell. Mit ein bisschen Mühe kann man die Badbesuche der vergangenen Tage, sogar Wochen nachvollziehen.

Wetterkameras liefern mittlerweile Bilder von hunderten Tourismusdestinationen. Auch in immer mehr Freibädern bieten sie neben Bildern der Liegewiese Informationen zu Temperatur und Windgeschwindigkeit. Die Bilder sind dann online abrufbar.

Zuletzt wurde im Florian-Berndl-Bad in Bisamberg, NÖ, eine entsprechende Wetterstation samt Webcam installiert. Die Bilder sind hochauflösend – und werden gespeichert. Nicht allen Badbesuchern gefällt das. Manche befürchten, erkannt zu werden. Andere wollen schlicht nicht im Bikini gefilmt werden.

Im Bad selbst beruhigt man: "Die Kamera wurde von der Datenschutzkommission geprüft", sagt Geschäftsführer Josef Partmann. Sie diene nur dazu, potenziellen Kunden Wetterinformationen zu bieten. Von Personenüberwachung könne keine Rede sein. "Die Gesichter erkennt man nicht und es werden auch keine Gruppen gefilmt." Nach der ersten Aufregung im Juli sei die Zoomfunktion entfernt worden. Außerdem gebe es auch positives Feedback seitens der Kunden. "Viele sagen, ’wenn ich im Bad bin, bin ich im Bad. Ich habe nichts zu verbergen", meint Partmann.

Dass die Webcam datenschutzrechtlich kein Problem darstellt, glaubt auch Datenschützer Georg Markus Kainz, der sich die Livecam für den KURIER angesehen hat. Anders stelle es sich allerdings bei den Persönlichkeitsrechten dar, die laut Experten verletzt werden.

"Es ist insofern bedenklich, als dass sich die Menschen, die dort wohnen, erkennen können. Sie können nachvollziehen, wer ins Bad kommt und mit wem die Person spricht", sagt er. "Man erkennt einen Menschen ja nicht alleine am Gesicht." Dadurch werde etwa auch Stalking ermöglicht.

Jedenfalls, so der Experte, müssten die Kunden bereits an der Kassa informiert werden, dass die Bilder live im Internet zu sehen sind. Laut Bäderchef Partmann werde das gemacht. Ein Aushang informiert: "In unserem Freibereich befindet sich eine Wetterstation mit einer Wetterkamera."

Winken in die Kamera

Das Florian-Berndl-Bad ist nicht der einzige Freizeitbetrieb, der Bilder seiner Liegewiese ins Internet überträgt. Auf der Homepage des Strandbads Podersdorf gibt es sogar kurze Videosequenzen, die auch auf der Plattform Bergfex und im Frühstücksfernsehen gezeigt werden.

Beschwerden von Gästen hätte es aber nie gegeben, berichtet Alexandra Moser vom Tourismusverband Podersdorf. "Manche stellen sich sogar extra vor die Kamera und winken." Eine Information an der Kassa gibt es laut Moser allerdings nicht.

Aus dem Freibad Mödling, dem Wiener Gänsehäufel oder der oö. Therme Geinberg werden ebenfalls Aufnahmen hochgeladen. Allerdings nur Einzelbilder in niedriger Auflösung.

Experte Kainz mahnt, dass auch Bäder die Verantwortung haben, die Persönlichkeitsrechte der Besucher zu schützen. "Touristische Entertainmentzwecke dürfen die Privatsphäre nicht verletzten", sagt er. Es müsse sichergestellt werden, dass ich meine Nachbarn nicht erkenne. Er rät, die Auflösung zu reduzieren, damit die Gäste nicht mehr identifizierbar sind. Das sei derzeit jedoch kein Thema, sagt Berndl-Bad-Geschäftsführer Partmann.