Chronik | Österreich
28.10.2017

Betriebsausflug für Beamte zum "Zocken"

Casino, Girls und Alkohol: Freiheitliche Personalvertreter sorgen für buntes Programm

Ein Casinobesuch im benachbarten Ausland mit einem Zehn-Euro-Spielgutschein, gratis Wein und Bier sowie mit ein paar heißen Samba-Mädchen zur Abrundung eines gelungenen Abends – was als Wunschkonzert einer fidelen Männer-Runde durchgehen könnte, ist das vielversprechende Programm des samstägigen Betriebsausflugs der Klagenfurter Magistratsmitarbeiter.

Die freiheitliche Personalvertreterorganisation "DU" (Die Unabhängigen) hat sich heuer einiges einfallen lassen, um die Kollegenschaft aus dem Rathaus bei Laune zu halten: Für 23 Euro gibt’s am heutigen Samstag nicht nur den Bustransfer von Klagenfurt ins benachbarte Slowenien nach Kranjska Gora und retour, sondern weiters ein Abendessen in Buffetform, den Casinobesuch samt "Gutschein fürs Zocken" – steht wortwörtlich so in der Einladung –, gratis Getränke (Spirituosen sind aber ausgenommen) und einen zweistündigen Musikabend mit lateinamerikanischen Tänzerinnen fürs strapazierte Beamten-Auge. Ein "einmaliges exotisches Musikerlebnis", wie der Folder verspricht.

Beim KURIER meldeten sich in den vergangenen Tagen zahlreiche Magistratsmitarbeiter, die beanstandeten, mit dieser Aktion würden Spiel- oder Alkoholsüchte gefördert bzw. gezüchtet werden – zumal sämtliche 1800 Angestellte zum Ausflug per eMail eingeladen worden waren.

"Plätze frei"

Organisator Peter Zwanziger von "DU" versteht die Aufregung nicht: "Mit dabei sind sowieso nur 40 Leute, bei Interesse wären im Bus sogar Plätze frei. Ein Spielsüchtiger käme gar nicht ins Casino von Kranjska Gora, weil sich jeder ausweisen muss. Und gratis Alkohol fließt bei jeder Weihnachtsfeier."

Verbieten könnte den Ausflug sowieso niemand. Auch der oberste Personalvertreter der Stadt, Christian Schneeweiß von der sozialdemokratischen FSG, hat keine Möglichkeit, seinen Kollegen zurückzupfeifen. "Ich finde die Veranstaltung nicht okay, aber es gibt kein Regulativ, um sie zu verhindern – seitens der Personalvertretung leisten wir auch keinerlei finanziellen Zuschuss. Es ist ein Alleingang der freiheitlichen Fraktion", erklärt Schneeweiß.

Stadtrat und Personalreferent Jürgen Pfeiler (SPÖ) sieht es ähnlich. Das Programm sei "freilich nicht glücklich ausgewählt, zumal es unter den Magistratsmitarbeitern wohl auch Süchtige geben wird". Eine Maßnahme kündigt Pfeiler dennoch an: "Über die Magistratsdirektion will ich erwirken, dass derartige Einladungen künftig nicht mehr per eMail an 1800 Beamte verschickt werden. Den Aushang selbst kann man nicht verhindern."